Sprinten die Löwen dem Abstiegsgespenst davon? Dickson Abiama bei der unglücklichen 0:1-Niederlage in Osnabrück. © Sampics / Stefan Matzke
München – Scheuklappen auf – und rein in die Mühle. So, mit maximalem Tunnelblick, gehen Spitzenteams zu Werke, wenn der Spielplan wenig Pausen zwischen den Aufgaben lässt. Die Löwen haben in den bisherigen Englischen Wochen unterschiedlich abgeschlossen, einmal neun (Wiesn!), einmal zwei (Oktobertief) und zuletzt sieben Punkte geholt. Nun, Anfang April, bietet sich dem TSV 1860 die nächste Chance, im Zeitraffer Punkte zu horten. Gelingt in der letzten Englischen Woche der Saison der ersehnte Befreiungsschlag im Abstiegskampf?
39 Punkte stehen vor dem Heimspiel gegen Energie Cottbus (Samstag, 14.03 Uhr) auf der Habenseite. Je nach Sichtweise rechnen die Löwen mit 46 (Patrick Glöckner) bzw. 48 Punkten (Christian Werner), die sie für die endgültige Rettung benötigen. Selbst wenn man die pessimistische Rechnung des Sportchefs zugrunde legt, wäre es also theoretisch möglich, sich mit einem Zwischensprint die Versetzung fürs nächste Drittligajahr zu sichern. Dazu braucht es allerdings mehr Schussglück und weniger defensive Fehleranfälligkeit als zuletzt in Osnabrück (0:1).
Am Freitag, bei der turnusmäßigen Pressekonferenz, gab sich Glöckner zuversichtlich, dass sein Team nicht nur für den Tabellenzweiten Cottbus gerüstet ist, sondern auch für die Aufgaben gegen die Kellerrivalen Sandhausen (Mittwoch, 19 Uhr) und Mannheim (Sonntag, 13.30 Uhr), die im Vier-Tage-Rhythmus folgen. „Natürlich ist so eine Englische Woche, wenn man alle drei Spiele auf einmal sieht, eine Belastung“, sagte der 1860-Coach: „Aber wir gehen das Spiel für Spiel an, konzentrieren uns erst einmal auf Cottbus.“ Ein Team, das schlagbar ist, findet Glöckner – „wie du überhaupt in der Liga zu jedem Zeitpunkt jede Mannschaft schlagen kannst“.
Nicht nur die an sich gute Leistung von Osnabrück macht den Löwen Mut, auch die Formtabelle der letzten fünf Spiele. 1860 belegt da Platz vier. Hinter Dresden, Pokalfinalist Bielefeld und Rostock. Aber deutlich vor Cottbus (Platz 11), das nur zwei Spiele im März gewonnen hat – beide knapp, beide durch Cigerci-Strafstöße. „Auffällig ist, dass sie sich nicht mehr so viele Torchancen herausspielen wie in der Vorrunde“, sagt Glöckner. Die Einschätzung von Energie-Coach Pelé Wollitz, dass die Chancen „50:50“ stehen, teilt der Löwen-Coach.
Personell, verriet er noch, habe es keine neuen Ausfälle gegeben. Patrick Hobsch kehrt nach Gelbsperre in den Sturm zurück – da legte er sich bereits fest. Ansonsten setzt Glöckner sehr auf die wiedergewonnene Heimstärke. „Was wichtig ist, da zitiere ich jetzt mal Jürgen Klopp: Es geht nicht um die Ergebnisse, denn die sind variabel. Sondern es geht immer um die Art und Weise, wie wir spielen.“ Soll heißen: Wenn 1860 so viel Kampf abruft wie zuletzt fast immer, ist alles möglich – womöglich sogar eine weitere Neun-Punkte-Woche. Aber auch sieben, ließ der Coach wissen, „würde ich sofort wieder nehmen“.
ULI KELLNER