Trainer Enrique (mi.) hat die gute Laune nach Paris zurückgebracht. Nach der kurz umjubelten Meisterschaft möchte PSG jetzt auch in der Champions League triumphieren, gegen Aston Villa ist man im Viertelfinale klarer Favorit. © Fife/AFP
Paris – Frankreichs Fußball-Könige waren kaum gekrönt, da rätselten die nationalen Zeitungen über royalen Besuch im Prinzenpark. Prinz William, der englische Thronfolger höchstpersönlich, könnte dem neuen Meister Paris Saint-Germain einen Besuch abstatten – und das auch noch in der Königsklasse. Allerdings würde der Sohn von King Charles nicht anreisen, um Hände zu schütteln, sondern um Daumen zu drücken, denn der Prinz ist bekennender Anhänger von Aston Villa, das im Viertelfinal-Hinspiel der Champions League am Mittwoch (21.00 Uhr/DAZN) in Paris gastiert. Nur vier Tage nachdem PSG in Windeseile die Meisterschaft klar machte, geht die Titeljagd schon weiter.
Die Spieler drehten im heimischen Parc des Princes eine Ehrenrunde, die Fans feierten Trainer Luis Enrique mit Sprechchören – doch die ganz große Euphorie brach nach dem vorzeitigen Gewinn des französischen Fußball-Meistertitels nicht aus. „Wir haben auf dem Spielfeld gefeiert. In der Kabine haben wir schon gesagt, dass wir uns auf die Ziele konzentrieren müssen, die wir in dieser Saison noch haben“, sagte Kapitän Marquinhos nach dem entscheidenden Spiel am Samstag (1:0 gegen Angers). Den Titel, den der Serienmeister sechs Spieltage vor Schluss sicher hat, schob die Mannschaft von Enrique geschlossen beiseite.
Weil die eigene Dominanz in der heimischen Liga mittlerweile Routine für das Starensemble aus der Hauptstadt ist, ist der Hunger nach weiteren Titeln und Erfolgen noch lange nicht gestillt. Das Team sei bereit, „diesen Schlüsselmoment der Saison anzugehen“, versicherte Marquinhos. Dass Paris in die heiße Phase der Königsklasse als Titelkandidat gehen würde, war keineswegs erwartbar. In all den Jahren, in denen große Hoffnungen auf den Weltstars Lionel Messi, Neymar und Kylian Mbappé ruhten, hatte es für den großen Coup nicht gereicht.
Die extrem verjüngte Mannschaft um den Ex-Dortmunder Ousmane Dembélé sorgt plötzlich für Furore und stieß mit einem Sieg über Favorit FC Liverpool im Achtelfinale selbst in den Kreis der Titelaspiranten vor. Auf den Überraschungserfolg folgt nun das nächste Duell mit einem englischen Club und einigen alten Bekannten.
Villas Stürmer Marcus Rashford, ausgeliehen von Manchester United, tat den Parisern im Trikot der Red Devils bereits zweimal in der Königsklasse mit Toren weh. Trainer Unai Emery war 2017 PSG-Trainer, als der Klub ein 4:0-Hinspielsieg gegen Barcelona herschenkte. Coach der Katalanen, als Barca durch ein 6:1 im Rückspiel sensationell triumphierte: Luis Enrique. Der Mann, der PSG nun augenscheinlich neues Leben eingehaucht hat.
Die größte Hoffnung der Villans steht zudem ausgerechnet beim Gegner unter Vertrag. Der spanische Nationalspieler Marco Asensio ist noch bis Saisonende leihweise für Villa im Einsatz, ehe er nach Paris zurückkehren wird. Seinem Arbeitgeber könnte und möchte der 29-Jährige jetzt so richtig wehtun. Sein berühmtester Fan Prinz William wäre stolz auf ihn.
SID