Zu Gast im Zauberzirkus

von Redaktion

BVB in Barcelona – Neuer Schwung, alte Bekannte, Woche des Wahnsinns

Duell mit der alten Liebe: Ex-Borusse und „Schreckgespenst“ Lewandowski (re.) kann es mit 36 immer noch. © Lluis Gene/AFP

Die Brust wird wieder breiter: Vor dem Champions League Viertelfinal-Showdown in Barcelona kommen BVB-Kapitän Can (li.) und co. langsam wieder in Fahrt. © IMAGO/RHR-Foto

Barcelona – Der Schlotterbeck-Schock sitzt tief bei Borussia Dortmund – und doch hat der Showdown alter Freunde auf dem Schicksalsberg Montjuic das Zeug zum feurigen Spektakel. Niko Kovac, der den wankenden Giganten langsam stabilisiert, fliegt kampfeslustig für eine „Mega-Chance“ im Viertelfinale der Champions League ein – gegenüber wartet sein ehemaliger Co-Trainer Hansi Flick. Er ist nun Coach des mächtigen, vor Talent beinahe übersprudelnden Weltvereins FC Barcelona.

Der BVB ist trotz eines zarten Aufschwungs in einer hochkomplizierten Saison klarer Außenseiter – das wurde durch die schwere Verletzung ihres Abwehrchefs besonders deutlich gewahr. Denn wo Barcelona wohl einfach den nächsten Star in die erste Reihe schieben würde, können die Dortmunder einen derartigen Ausfall nicht kompensieren. Ein Meniskusriss, eine monatelange Pause für den zuletzt bärenstarken Innenverteidiger Nico Schlotterbeck: „Das trifft uns sehr hart“, sagte Sportdirektor Sebastian Kehl konsterniert.

Und doch kommt die Borussia keineswegs mit schlotternden Knien. „Wir haben auch gute Jungs, gute Möglichkeiten und die Geschwindigkeit, um ihnen wehzutun“, sagte Kovac vor dem Abflug ins sonnige Katalonien, Kehl ergänzte: „Wir werden versuchen, uns eine gute Ausgangsposition zu erarbeiten.“ So schnell kehrt also das Selbstbewusstsein zurück, nach gerade einmal zwei überzeugenden Bundesliga-Siegen.

Bei allem Respekt für deutsche Klubs der gehobenen Mittelklasse: Im Olympiastadion von 1992 wirft sich dem BVB am Mittwoch (21.00 Uhr/DAZN) nicht Mainz oder Freiburg entgegen. „Wir spielen gegen die angriffsstärkste Mannschaft Europas“, warnte Kovac, ein sprühendes Feuerrad des Zauberzirkus: Lamine Yamal. Pedri. Gavi. Raphinha.

Außerdem gibt es noch einen alten Bekannten, der seit seinem Abschied 2014 ein Dortmunder „Schreckgespenst“ ist – Robert Lewandowski, Abnehmer im Sturmzentrum für all jene Bälle, die ihm mit Silberhaube serviert werden. 27 Tore in 27 Spielen hat er gegen den BVB erzielt, keinem anderen Verein schenkte der Pole mehr Treffer ein. In der Liga-Phase traf er beim 3:2 in Dortmund erstaunlicherweise nicht, knapp vier Monate später will der erfahrene Torjäger im Viertelfinal-Hinspiel seinen Jubel nachholen – und seine furchterregende Statistik ausbauen.

Was hilft? Räume engmachen. Laufarbeit. Konzentration. Fehlerfreiheit. Nervig sein, diesem „unfassbar dominanten Mittelfeld“ Stöcke in die Speichen stecken. „Nur gemeinsam können wir erfolgreich sein“, betont Kovac, der Flick zu dessen 60. Geburtstag vor ein paar Wochen noch angerufen und sich „verabredet“ hat: „Wir haben gesagt, vielleicht treffen wir uns im Viertelfinale“, verriet Kovac. Gesagt, getan. Für einen von beiden gibt es vielleicht ein Wiedersehen mit München. Im Halbfinale. Oder im Finale.

Der BVB will am Mittwoch und am 15. April trotz der Underdog-Rolle zumindest ein bissiger Hund ohne Maulkorb sein. Dann „kann alles passieren“, betonte Kapitän Emre Can. Flick wird da so einiges dagegen haben. Trotz eines enttäuschenden 1:1 gegen Betis Sevilla am Wochenende hat seine Mannschaft an der Tabellenspitze vier Punkte Vorsprung auf Real Madrid. Zum Vergleich: Die Dortmunder krebsen immer noch irgendwo halbwegs in Schlagdistanz zu den Europapokal-Plätzen herum. Und: Sie müssen inmitten der Spanien-Festspiele am Samstag zum Klassiker beim FC Bayern. Es ist wahrlich eine Woche des Wahnsinns.
SID

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