Auf in die Zukunft: Ricken mit Trainer Niko Kovac, der den BVB stabilisiert hat. © Thissen/dpa
Dortmund – Lars Ricken will beim Fußball-Bundesligisten Borussia Dortmund schnellstmöglich einen Kulturwandel herbeiführen – und sieht Niko Kovac als perfekten Trainer dafür. „Wir wollen und müssen eine Leistungskultur schaffen. Intensität, Aggressivität, Tempo, Siegermentalität“, sagte der Sport-Geschäftsführer in einem „WAZ“-Interview: „Für all das steht Niko Kovac.“
Wenn der BVB es zurück in die Top vier in Deutschland schaffen wolle, „muss jeder Spieler und jeder Mitarbeiter exzellente Leistungen bringen – wirklich ausnahmslos jeder“, sagte Ricken, der Kritik mit Blick auf das bisherige Abschneiden in der Bundesliga übte: „Es darf einfach nicht sein, dass Vereine wie Freiburg oder Mainz mit deutlich geringeren Etats vor uns stehen.“
Unter Kovac sieht der 48-Jährige den BVB trotz einiger Startschwierigkeiten aber inzwischen auf dem Weg zurück nach oben. Man habe sich bewusst „mit Niko entschieden, einen Vertrag über den Sommer hinaus zu machen“, sagte Ricken: „Es war auch wichtig als Signal an die Spieler. Dass sie Niko in den Kopf, in die Herzen, in die Beine bekommen müssen.“
Dies ist zuletzt offensichtlich immer besser gelungen, die Dortmunder haben Europa als Tabellenachter wieder im Blick – und rechneten sich auch gegen den FC Barcelona in der Königsklasse etwas aus. „Ich merke bei unseren Spielern und im Umfeld ein neues Selbstbewusstsein. Wir sind rechtzeitig in Form gekommen, was die Champions League angeht“, sagte Ricken vor dem Viertelfinal-Hinspiel am Mittwoch (nach Drucklegung dieser Ausgabe) in Barcelona.
Neben Kovac will Ricken auch mit Sportchef Sebastian Kehl in die kommende Spielzeit gehen. „Das ist weiter das klare Ziel“, sagte Ricken im Interview. Er berichtete von einer „intensiven Zusammenarbeit“ insbesondere mit Kehl, dessen Vertrag der BVB erst im Januar bis 2027 verlängert hatte.
Allerdings steht Kehl seit einiger Zeit wegen der Kaderzusammenstellung beim Tabellenachten in der Kritik. „Als wir Sebastians Vertrag verlängert haben, war mir wichtig, dass wir das Maximale aus der Saison herausholen und gemeinsam in die Zukunft gehen. Das habe ich damals deutlich zum Ausdruck gebracht. Und an diesem Ziel hat sich nichts geändert“, sagte Ricken. Der Champions-League-Finalist des Vorjahres hatte sich nur wenige Wochen nach der Vertragsverlängerung mit Kehl von Nuri Sahin als Trainer getrennt. Für ihn kam Kovac.
„Wir haben unter Nikos Leitung die beste Defensiv-Zweikampfquote der Liga. Wir gehen die intensiven Läufe mit. Wir erspielen uns mehr Torchancen, lassen deutlich weniger zu und haben unsere Gegentore reduziert“, sagte Ex-Nationalspieler Ricken.
Umso bitterer ist der Ausfall von Nico Schlotterbeck (Meniskusriss). Der zuletzt unverzichtbare Nationalverteidiger fällt sechs Monate lang aus. Er verpasst damit nicht nur Hin- und Rückspiel (15. April) gegen Barcelona, sondern auch den Rest der Saison, das Final Four der Nations League mit der Nationalmannschaft im Juni und die Club-WM in den USA. „Er ist sehr geknickt, zurückgezogen und auch sehr nachdenklich“, berichtete Kovac, er hatte Schlotterbeck vor dessen Operation besucht.