DOSB-Präsident Thomas Weikert. © IMAGO
Frnakfurt/Main – Die Rückendeckung für die Olympiapläne des DOSB kam im richtigen Moment. Während die Spitzenfunktionäre Thomas Weikert und Volker Bouffier versuchten, die nächste Verzögerung im Zeitplan zu erklären, flatterte der Koalitionsvertrag ins Haus, in dem die kommende Bundesregierung aus CDU/CSU und SPD „nachdrücklich“ ihre Unterstützung für „eine deutsche Bewerbung für die Austragung der Olympischen und Paralympischen Spiele“ versicherte.
Auf dieses Zeichen hatte der organisierte Sport gewartet. Landauf, landab lobten Funktionäre das Papier, allen voran DOSB-Präsident Weikert („vier hoffnungsvolle Jahre für den Sport“), aber auch Handball-Boss Andreas Michelmann („starker Mutmacher“). Das nächste Bekenntnis des Bundes zu Olympia–- ausdrücklich „unter Wahrung der Autonomie des Sports“ – spielt für diesen eine zentrale Rolle.
Nur, so richtig kommt der Deutsche Olympische Sportbund mit seiner Bewerbung nicht voran. Ursprünglich sollte ein Konzept Ende 2024 vorliegen, dann lautete das Ziel 2025, jetzt ist die Entscheidung auf den Herbst 2026 verschoben. Vorgeblich, um den interessierten Städten und Regionen (Berlin, München, Hamburg, Rhein-Ruhr) Zeit für Referenden zu geben, die allerdings nicht verpflichtend sind.
Für Sportökonom und Bewerbungsexperte Wolfgang Maennig stellt sich jedoch die Frage, ob es überhaupt „sinnvoll ist, weiterhin vier Bewerber in Deutschland sich mühen zu lassen. Um sich dann in 2026 für einen zu entscheiden, auf einer Grundlage, die auch in ‚26 nicht viel besser sein wird.“ Denn: „Die Bewerber-Städte haben nur wenig wirklich belastbare Konzepte, nur wenig international Vorzeigbares und Prüfbares. Es sind vor allem viele Behauptungen.“
Im Gespräch mit dem SID analysiert der Ruder-Olympiasieger von 1988 und Professor der Wirtschaftswissenschaften der Uni Hamburg die Bemühungen des DOSB. Er sagt: Seit der Bewerbung für München 2018 habe „sich wenig zum Positiven geändert: an unserem Ansehen, an unserer Fähigkeit, innovative Programme und Konzepte zu schreiben, die eigene Bevölkerung zu gewinnen, und international strahlende Persönlichkeiten an die Spitze einer Bewerbung zu stellen.“
Diejenigen, „die tiefer im Sport sind“, ahnten bereits: „Wir holen uns eine weitere Niederlage“, sagt Maennig. Er plädiert für mehr Mut, um im Rennen mit internationalen Bewerbern, die zum Teil in den Gesprächen mit dem IOC viel weiter sind, aufzuholen. Eine Lösung könnte sein, „sich jetzt auf eine oder maximal zwei Städte zu konzentrieren, anstatt vier Städte-Cluster sich mit geringen Mitteln quälen zu lassen“, sagt Maennig (65).
Das heiße jedoch, „zwei oder drei der jetzigen Städte-Cluster zu bedeuten, dass man ihre Ambitionen für weniger erfolgversprechend hält, weil sie international zu wenig strahlen, weil sie keine hinreichende Sportinfrastruktur haben, oder weil sie zu wenig lokale Unterstützung in der Bevölkerung haben“, sagt Maennig und fragt: „Aber wer bringt diesen Mut auf?“
SID