Der Poker ist eröffnet

von Redaktion

Ismaik will Anteile verkaufen – Wie ernst meint er es?

Drei Schwergewichte: Bayern-Patron Hoeneß, BR-Moderator Othmer und der zugeschaltete Ismaik. © Screenshot

Über den Dächern von Abu Dhabi: Hier, in einem seiner Büros, empfing Löwen-Investor Hasan Ismaik BR-Reporter Christoph Nahr. © Screenshot

München – Realsatire, wirr bis skurril, ein typischer Hasan mal wieder. Die Reaktionen auf den Ismaik-Auftritt im BR fielen zwiespältig aus im Umfeld der Löwen. Tenor der meisten: Abwarten, bis die Verkaufsabsicht des Investors etwas konkreter wird. Was Ismaik sagt, auch zwischen den Zeilen, wie so eine Trennung ablaufen und 1860 sich neu aufstellen könnte? Fragen über Fragen. Wir geben erste Antworten.

Was genau sagte Ismaik im BR?

Ismaik, zugeschaltet aus Abu Dhabi, erklärte, ihm hätte sein Münchner Projekt „14 Jahre lang Freude bereitet“. Dennoch sei er jetzt bereit, seine Anteile zu verkaufen – wenn die Bedingungen stimmen. „Wenn es jemand ernst meint, soll er ein Angebot machen, und dann werde ich darüber nachdenken“, sagte der Investor im Gespräch mit Moderator Markus Othmer. Die Löwen seien „ein toller und starker Verein, in der besten Stadt der Welt und im besten Land der Welt“. Frei übersetzt: Ismaik sieht 1860 als internationale Marke an, für die er selbstredend einen namhaften Betrag erzielen möchte.

Was sind Ismaiks Anteile wert?

Je nachdem, wen man befragt, reichen die Schätzungen von 0 Euro (e.V.-Hardliner) über 25 Mio. Euro (wurde in der Vergangenheit von Interessenten geboten) bis zu 100 Millionen oder mehr (Ismaik selbst). 2011, als der Jordanier 60 Prozent der Anteile erwarb (elf Prozent stimmlos), legte er 18,6 Millionen Euro auf den Tisch – für einen etablierten Zweitligisten, der 1860 damals war. Das Problem: Die KGaA, um die es geht, ist bilanziell überschuldet (der e.V. dagegen ist gesund und gehört weiterhin den Mitgliedern). 40 bis 50 Mio. Euro Verbindlichkeiten belasten die KGaA, zwei Drittel in Form von Genussscheinen, ein Drittel in Form von Darlehen bei Ismaik.

Wie könnte ein Verkauf ablaufen?

Ohne Schuldenschnitt, so realistisch müsste Ismaik sein, ist kein Verkauf vorstellbar. Zur Erinnerung: 1860 ist inzwischen der Dino der 3. Liga, hat weiterhin kein eigenes Stadion, dafür einen gigantischen Schuldenberg (siehe oben). Der mit viel Idealismus zu erzielende Wert speist sich ausschließlich aus der enormen Strahlkraft des Vereins, der Historie, der riesigen Fanbasis und der Idee, damit mal Geld zu verdienen (über Fanartikel – oder einen Aufstieg in die 1. Liga). Was Ismaik auch vergisst: Nicht er selbst, sondern der Verein hat das letzte Wort, was potenzielle Käufer angeht. Ist alles über den Kooperationsvertrag geregelt. Ismaik selbst sagt dazu: „Ich möchte das Ziel des Investors sehen. Wenn er keinen Plan hat und nur die Anteile halten will, dann bin ich nicht bereit, zu verkaufen.“

Seit wann will Ismaik verkaufen?

„Ich werde meine Anteile niemals verkaufen!“ Diesen Satz hat man häufig von Ismaik gehört, doch anders, als es sein öffentliches Mantra vermuten lässt, gab es immer wieder Verkaufsgespräche, die im Hintergrund liefen. Gerhard Mey, damals 50-Prozent-Eigentümer von Webasto, wollte Ismaik schon zu Regionalligazeiten die Anteile abkaufen. Verbürgt ist auch, dass eine englische Investorengruppe um Ex-Nationaltorhüter Jens Lehmann konkretes Interesse zeigte. Auch Schweizer Firmen und Konsortien von entlegenen Inseln brachten sich in Stellung. Konkret wurde es selten – bis auf das eine Mal, als man sich bereits in Frankfurt bei einem Notar gegenübersaß. Ismaik soll damals kurzfristig abgesprungen sein. Und dieses Mal? Zieht er es dieses Mal durch? Nur ein Mensch könnte diese Frage seriös beantworten: Ismaik selbst. Eine Anfrage unserer Zeitung zu Zeit- und angedachtem Finanzrahmen steht noch aus. Aber: Der Poker ist eröffnet, es bleibt spannend bei 1860.


Uli Kellner

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