Mutmacher: Hoeneß hofft auf einen Sieg. © Perenyi/Imago
Es soll über das Kollektiv gehen: Mittelfeldchef Joshua Kimmich (l.) und Co. wollen Inter Mailand um Kapitän Lautaro Martinez (Mitte) zu Fall bringen. © Perenyi/Imago
München – Uli Hoeneß ist ein Mann der klaren Worte. In der BR-Sendung „Blickpunkt Sport“ bezog der Ehrenpräsident des FC Bayern am Sonntagabend nicht nur erneut zu Wunschspieler Florian Wirtz von Bayer Leverkusen und die Nicht-Verlängerung von Thomas Müller Stellung. Der 73-Jährige redete auch das 2:2 am Samstag gegen Borussia Dortmund und die damit vergebene Vorentscheidung im Meisterkampf nicht schön. So beträgt der Abstand fünf Runden vor Schluss weiterhin sechs Punkte auf die Werkself, die gegen Union Berlin über ein 0:0 nicht hinausgekommen war.
„Es wäre angenehmer gewesen, wenn wir den Matchball verwandelt hätten. Es ist schon der dritte, den wir nicht verwandeln“, meinte Hoeneß mit Blick auf das 2:3 im Heimspiel gegen Bochum und dem 1:1 bei Union Berlin. „Wenn wir gegen Dortmund gewonnen hätten, wären wir jetzt wahrscheinlich Meister. Für das Nervenkostüm wäre es besser gewesen, wenn wir acht Punkte Vorsprung hätten. Wir hätten die Meisterschaft schon länger einfahren können.“
Nichtsdestotrotz ist die Situation in der Bundesliga momentan besser als die in der Champions League. Auf dem Weg zum erträumten Erfolg beim „Finale dahoam“ am 31. Mai in München droht Inter Mailand zum Stolperstein für die Bayern zu werden. Nach dem 1:2 im Viertelfinal-Hinspiel vergangenen Dienstag in der Allianz Arena braucht der deutsche Rekordmeister unbedingt einen Sieg am Mittwoch (21 Uhr, DAZN) im San Siro. Kein leichtes Unterfangen, vor allem mit Blick auf die Personalnot.
„Ich bin lange beim FC Bayern, aber so eine Serie von schweren Verletzungen habe ich noch nie erlebt. Wir haben fünf, sechs Stammspieler, die monatelang ausfallen. Das kann keine Mannschaft verkraften“, betonte Hoeneß. In Torwart Manuel Neuer (Muskelfaserriss in der Wade), Linksverteidiger Alphonso Davies (Kreuzbandriss), Abwehr-Star Dayot Upamecano (Knie-OP), Defensiv-Backup Hiroki Ito (erneuter Mittelfußbruch) und Super-Dribbler Jamal Musiala (Muskelbündelriss im hinteren Oberschenkel) fehlen der Mannschaft von Trainer Vincent Kompany wichtige Stützen.
Wie der Belgier, der nicht jammern möchte, will auch Hoeneß keine Ausreden suchen. „Es ist wichtig, dass wir eine Wagenburgmentalität aufbauen. Nur so kannst du das Spiel gewinnen, wenn alle Spieler über sich hinauswachsen“, betonte Hoeneß. „Ich bin total einverstanden mit dem, was Thomas Müller sagt: Wir brauchen kein Wunder, wir brauchen eine überragende Leistung. Sie brauchen Einsatz, Kampfkraft. Jeder muss jedem helfen.“
Hoeneß denkt dabei an ein früheres Duell mit den Italienern. „Ich wünsche mir für Mittwoch etwas wie 1988“, so der Vereinspatron. Damals verlor der FC Bayern im November das Achtelfinal-Hinspiel im UEFA-Cup mit 0:2 in München und gewann das Rückspiel im Dezember 3:1 in Mailand. Gelingt den Münchnern ein Kunststück wie vor rund 36 Jahren? Wie Hoeneß glauben auch die Spieler daran. „Wir alle spüren, dass trotz der Niederlage noch was möglich ist“, stellte Mittelfeldchef Joshua Kimmich in Mia-san-mia-Manier klar.
Auch 2006 (2:0), 2011 (1:0) und 2022 (2:0) gewannen die Bayern im Giuseppe-Meazza-Stadion gegen Inter. „Unsere Mannschaft ist fast immer über sich hinausgewachsen, wenn sie gefordert war“, erinnert Hoeneß.
P. KESSLER, H. RAIF, V. TSCHIRPKE