Hat Tradition: Die Dusche nach Paris-Roubaix. © Imago
Roubaix – Tadej Pogacar betrat die kahlen Betonduschen des altehrwürdigen Velodrome André Pétrieux und spülte Blut, Schweiß und Dreck von seinem geschundenen Körper. Die antiken sanitären Anlagen gehören zu Paris-Roubaix wie das Kopfsteinpflaster, und natürlich pflegte der Weltmeister nach seiner furiosen Premiere in der „Hölle des Nordens“ diese unter Radprofis liebgewonnene Tradition.
Pogacar schloss die Augen, als Wasser und Seife über sein Gesicht flossen, und es schien, als ließe er in diesem Moment das Riesenspektakel gedanklich Revue passieren: Die brutalen Einschläge auf über 55 km Pavé, der ohrenbetäubende Lärm Hunderttausender Zuschauer, sein folgenreicher Fahrfehler 38 km vor dem Ziel, Platz zwei im legendären Duell mit Mathieu van der Poel, der seinen Titel erfolgreich verteidigte und seinen dritten Pflasterstein gewann.
„Ich habe heute eine Menge Erfahrung gesammelt. Das Rennen ist von der Intensität her unvergleichlich“, sagte Pogacar, „dieses Rennen in dieser Atmosphäre gegen unglaubliche Fahrer zu bestreiten, ist einzigartig.“
Am Ende stand bei Pogacar eine zentrale Erkenntnis: Der Superstar möchte wiederkommen, Pogacar will Paris-Roubaix gewinnen. „Wir haben zwei Männer in die Top-Fünf gebracht“, sagte Pogacar mit Blick auf seinen Teamkollegen bei UAE Emirates-XRG, Florian Vermeersch aus Belgien, der Fünfter wurde: „Das macht uns richtig Lust, zurückzukommen und zu versuchen zu gewinnen.“
Hat er eine Wahl? Der dreimalige Tour-Sieger Pogacar ist ein Phänomen, der beste Fahrer seiner Generation und gilt als das größte Talent seit Eddy Merckx. Qualität verpflichtet. Im Frühjahr für Wochen ins Höhentrainingslager zu entschwinden, um nur bei der Frankreich-Rundfahrt auf Top-Niveau zu sein, ist längst nicht mehr sein Anspruch.
Van der Poel, im März auch Gewinner von Mailand-Sanremo, dürfte bis auf Weiteres Pogacars großer Widersacher bei den Klassikern bleiben: „Wir alle wissen, was für ein unglaublicher Champion Tadej ist. Was er hier in seinem ersten Roubaix macht – das überrascht mich nicht, aber es ist auch nicht normal. Er ist einfach ein Ausnahmetalent.“
SID