München – Eigenständig sein, den Lieblingsverein nicht zum Spielball von Investoren werden lassen – davon träumen Fußballfans weltweit. In Deutschland, dem 50+1-Land, ist die Sehnsucht besonders groß, fremden Kapitalgebern die Rote Karte zu zeigen. Bei den Löwen wurde Hasan Ismaik von Tag eins abgelehnt, speziell von Fans, die längst die Politik ihres Vereins mitbestimmen. Viele träumen davon, wieder das Ruder an sich zu reißen.
Motto: Wir kaufen uns unseren Verein zurück! Klingt wie eine gspinnerte Idee, ist aber im Umfeld der Löwen ein heiß diskutierter Plan. Einflussreiche Fans haben bereits ein Szenario entworfen: „11 für 11“. Weil elf Millionäre jeweils elf Millionen Euro geben sollen, um die Löwen aus den Fängen Ismaiks zu befreien. Sieben stehen schon länger bereit – inzwischen soll die Elf der Millionäre gefunden sein. Alphalöwen wie Robert Reisinger, der aktuelle Präsident, träumen von einem ähnlichen Modell, bei dem statt Fans regionale Gönner und Persönlichkeiten aus der Wirtschaft das Sagen hätten.
Der Bild-Zeitung sagte Reisinger: „Geldgeber sind heute unverzichtbare Partner im Profisport. Auch beim TSV 1860, der mit seiner bayerischen Kultur, Geschichte und Tradition, mit seiner Fanbasis und seinen vielen Mitgliedern nach wie vor eine große Anziehungskraft besitzt. Die Kapitalausstattung darf nicht mehr ausschließlich in Form von Krediten erfolgen. Diese Art der Finanzierung kann dem Club die notwendige Flexibilität nehmen. Es wäre daher wünschenswert, wenn sich mehrere Investoren mit regionalen Wurzeln finden würden, die als Sponsoren und Anteilseigner gemeinsam mit dem Verein die Zukunft des TSV 1860 München gestalten würden.”
Wie das funktionieren könnte? Über die passende Rechtsform! „Je nachdem, welches Modell man wählt, kann man auf der gesellschaftsrechtlichen Ebene sagen, jeder von uns Fans kann sich einbringen, und wir lassen zugleich zu, dass Unternehmen sich ebenfalls – mit höheren Summen aber ohne zusätzliche Stimmrechte – beteiligen“, erklärt Sportrechtsexperte Andreas Hecker. Möglich sei z.B. die Gründung einer Genossenschaft, die Ismaiks Kommanditaktien an der 1860 GmbH & Co. KGaA abkauft, sodass die Struktur beibehalten bleibt, aber die Kommanditaktien von Ismaik in der Genossenschaft in Fan-Hand gebündelt werden. Genossenschaften sind aktuell kein unbekanntes Modell im deutschen Profi-Fußball. Neben dem FC St. Pauli gründete zuletzt auch Schalke 04 eine solche, um durch das finanzielle Engagement von Mitgliedern den Verein zu entlasten. In beiden Fällen konnten die Fans einen Anteilsschein am Stadion erwerben. „Im Prinzip geht es den Fans darum, Mitspracherecht zu haben und unliebsame Investoren zu verhindern“, sagt Hecker. „Das ist bei der Genossenschaft gegeben. Dort hat jeder eine Stimme – unabhängig von der Investitionssumme.“ Im Fall der Giesinger Genossen würde das bedeuten, dass bei einem erfolgreichen Rückkauf der Anteile von Ismaik im Aufsichtsrat der KGaA eben nicht mehr Vertreter des Investors, sondern Vertreter der Genossenschaft und damit der Fans sitzen. Doch die finanzielle Hürde ist groß. Nach Informationen unserer Zeitung stellt sich Ismaik einen Verkaufspreis vor, der das abdeckt, was er selber reingesteckt hat (80 bis 90 Mio. Euro). Ein Selbstläufer wird das nicht. Zum Vergleich: Während St. Pauli bislang 27 Mio. Euro einnahm, krebst Schalke seit dem Start Ende Januar bei rund 7 Mio. Euro rum. Erhofft hatte man sich 50 Mio.…
ULK, JO