Wahnsinn in der Steppe

von Redaktion

Oklahoma – Clemens Prüfer strahlte, die Sonne schien ihm ins Gesicht und neben ihm stand in schwarzen und roten Ziffern geschrieben, was Deutschlands neuer Diskusriese da eben in der Wurfsteppe von Oklahoma geschafft hatte. 71,01 Meter. Eine solche Weite gelang nicht einmal London-Olympiasieger Robert Harting. „Was so ein ‚bisschen‘ Wind ausmachen kann“, schrieb Prüfer bei Instagram. Das „bisschen“ Wind blies am Sonntag auf dem freien Feld von Ramona im Niemandsland der USA wieder einmal außerordentlich, Prüfers sagenhafter Wurf war dann auch längst nicht der weiteste. Mykolas Alekna verbesserte seinen vor einem Jahr am gleichen Ort aufgestellten Weltrekord um einen Meter auf 75,56 m, der Olympiazweite aus Litauen durchbrach damit als erster Diskuswerfer die 75-Meter-Marke. „Ich denke, ich kann noch weiter werfen – aber das hebe ich mir für nächstes Jahr auf“, sagte der 22-Jährige. Auch der Olympia-Dritte Matthew Denny aus Australien blieb mit seinen 74,78 m über dem alten Weltrekord, insgesamt landeten gleich drei Würfe jenseits der alten Weltbestmarke. Gleich sechs Werfer knackten am Sonntag die 70 m – so viele wie nie zuvor in einem Wettkampf. In der Diskus-Szene hat sich längst herumgesprochen, dass sich in Ramona der Wahnsinn abspielen kann. Plattes Land rund um den Diskusring, ein paar Sträucher, am Horizont ein Wäldchen. Obwohl Prüfer fast zwei Meter weiter warf als je zuvor, reichte es für ihn nur zu Platz vier. Diesen Rang nimmt der 27-Jährige aus Potsdam nun auch in der ewigen deutschen Bestenliste ein.
SID

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