Es war eine Sendung, die BR-Zuschauer nicht so schnell vergessen werden. Im Studio: Uli Hoeneß, das Immer-noch-Schwerstgewicht des FC Bayern. Und zugeschaltet aus Abu Dhabi: Hasan Ismaik, der schwerreiche, aber auch schwer frustrierte Investor der Löwen. Ismaik schmeichelte Hoeneß, würde ihn gerne mal live treffen – und noch lieber: zum TSV 1860 holen, der Ismaik ja immer noch zur Hälfte gehört. Reaktion des verdutzten Bayern-Patrons: „Da kann ich Ihnen leider keine Zusage machen, das ist undenkbar. Weil Uli Hoeneß bei 1860 – das ist, wie wenn ich die Metropolitan Opera leiten sollte.“ Nicht nur Hoeneß dürfte an einen verspäteten Aprilscherz geglaubt haben. Aber: Kein Scherz, kein Hape Kerkeling, der sich eine Maske vom Gesicht zieht. Ismaik meint das alles ernst – vermutlich auch das Ansinnen, seine Anteile am Giesinger Kultverein für eine Mondsumme veräußern zu können.
Vermutung von Uli Hoeneß: Ismaik lebt in einer anderen Welt. Das war keineswegs despektierlich gemeint, trifft den Nagel aber auf den Kopf. Die Löwen und Ismaik – das war von Anfang an ein riesengroßes Missverständnis. Unterschiedliche Kulturen prallen da aufeinander – und konträre Interessen. Obwohl man im Prinzip das Gleiche will – 1. Liga, Derbys gegen den FC Bayern – gelang es in den 14 Jahren fast nie, einander zu verstehen. Ismaik, inzwischen auch Philosoph, hat das selber erkannt. Weise sagte er beim BR-Besuch in Abu Dhabi: „Dass die Menschen bei 1860 etwas anderes wollen – das hätte ich vorher erkennen müssen.“
Eine späte Einsicht, die zu diesem Zeitpunkt überraschend kommt, weil 1860 gerade eine gute Phase erlebt. Unter dem Strich aber ein Entschluss, den Ismaik hoffentlich ernster meint als frühere Wortmeldungen zu diesem Thema. Vor Kurzem wollte er seine Anteile noch an seine Kinder vererben, wahlweise an die Mitglieder des Vereins „weitergeben“ (in Form von Anleihen). Und jetzt: Ruft er eine Summe von 200 bis 300 Millionen Euro auf, von der keiner weiß, wie sie gemeint ist. Kaufpreis? Zu investierende Summe, um 1860 in die 1. Liga zu bringen, vielleicht in einem modernen Stadion?
Vermutlich der nächste Denkfehler, denn wo hierzulande jedes Wort auf die Goldwaage gelegt wird, gelten in Ismaiks Welt blumige Ausführungen als Einladung, in einen langen Poker einzusteigen. Dieser Poker – er hat nun begonnen. Doch kann Ismaik sein Spielzeug wirklich loslassen? Wenn er sogar mitbestimmen möchte, wer am Verhandlungstisch sitzt? Am Ende geht es ihm eben nicht nur um Geld, sondern auch darum, wie er gesehen wird. Ismaik möchte geliebt und respektiert werden. Wie Uli Hoeneß, der aus diesem Grunde sein Herzblut dem FC Bayern widmet – und nicht der Metropolitan Opera von New York.