Sein letztes Mal in der Königsklasse: Thomas Müller. © dpa/Sven Hoppe
Da war‘s passiert: Martinez gelang nach dem Kane-Treffer der schnelle Ausgleich, ehe Pavard direkt nachlegte. Das 2:2 durch Dier brachte den Bayern nichts mehr, ein dritter Treffer wollte nicht fallen. © IMAGO
Mailand – Der Himmel weinte am Mittwochabend schon vor Anpfiff – und zwar so richtig. Unwetterwarnung, heftiger Regen: Mailand wollte dem FC Bayern mit allen Mitteln einen schweren Abend bescheren. Und was für den Wettergott galt, galt auch für Inter auf dem Rasen. Die kurze Hoffnung nach dem 1:0 durch Harry Kane (52.) wurde von den eiskalten Italienern binnen drei Minuten im Keim erstickt: 1:1 Lautaro Martinez (58.), 2:1 Benjamin Pavard (61.). Zwar gelang Eric Dier noch der Ausgleich (76.), und trotzdem hieß es nach dem 2:2 (0:0): Arrivederci, Bayern!
Der Traum vom Finale dahoam ist nach dem fünften Viertelfinal-Aus binnen fünf Jahren ausgeträumt. Das erste Unentschieden gegen Inter im Giuseppe-Meazza-Stadion schmerzt und wird trotz des gezeigten Kampfgeistes nachhallen. Nur noch eine Titelchance bleibt Kompany, der sich so gerne im Halbfinale mit dem FC Barcelona duelliert hätte.
„Fearless“ – Furchtlos: Das hatte sich der FC Bayern in der Kabine auf den Boden schreiben lassen – und man konnte ihnen lange auch keinen Vorwurf machen. Kompany hatte von Experimenten abgesehen und setzte auf Thomas Müller als Ersatz für Jamal Musiala. Auch darüber hinaus vertraute der Coach derselben Elf wie beim 2:2 gegen Dortmund. Ein Ergebnis wie am Samstag allerdings würde diesmal nicht reichen.
Das „San Siro“ war elektrisiert, von Beginn an, es war ein Gänsehaut-Abend. Und es ging auch von Beginn an auf dem Rasen heiß her. Was beide Teams vorhatten, konnte man schnell sehen. Die Bayern beschäftigten die seit 13 Heimspielen ungeschlagene Inter-Abwehr mit aggressivem Pressing, während die Hausherren auf Konter lauerten – und auch die erste Chance hatte. Über Mkhitaryan ging es blitzschnell nach vorne, aber Jonas Urbig im Bayern-Tor war genauso zur Stelle (2.) wie sieben Minuten später gegen Dimarco. Es durfte alles passieren, nur kein schnelles Inter-Tor, das war allen Bayern klar. Aber die Kompany-Elf überstand die Anfangsphase gut und gab trotz der Inter-Chancen den Ton an.
Allen voran Müller brannte in jeder Aktion. Die erste Bayern-Gelegenheit durch Olise bereitete er mit der Hacke vor (3.), seinen Schuss hielt Yann Sommer. Die beste Chance auf das ersehnte 1:0 hatte Olise, der in allerletzter Sekunde gestoppt wurde (12.). Immer wieder war das intensive Spiel unterbrochen, beide Teams schenkten sich nichts, aber Inter bekam die Bayern zunehmend besser in den Griff. Die Bayern-Abwehr war gefordert, Kim sah früh Gelb, ein 1:0 nach Freistoß durch Acerbi aber konnten die Gäste verhindern (28.), Dimarco schoss vorbei (34.), ehe Sommer auf der Gegenseite gleich drei Mal binnen zwei Minuten ran musste. Eine unterhaltsame Partie.
Seitenwechsel, noch mehr Regen – und: Kane. Über Goretzka landete der Ball beim Engländer, der nicht richtig angegangen wurde und aus etwas spitzem Winkel flach ins linke Toreck schoss (52.). Müller hätte nachlegen können (56.) und sollen. Denn danach stand plötzlich das gesamte Stadion Kopf. Ecke, ein unglücklicher Kimmich-Abpraller, ehe Martinez sofort schaltete. Das 1:1 tat den Bayern weh, noch bitterer aber wurde es drei Minuten später. Nächste Ecke, diesmal sprang Pavard höher als Kim und wuchtete die Kugel mit dem Kopf aus kurzer Distanz in die Maschen. Zwei Standards, zwei Treffer. Aber vorbei war‘s noch nicht. Dier gelang nach Gnabry-Flanke der Ausgleich (76.). 14 Minuten blieben, aber es half nichts. Der Himmel weinte weiter – und die Bayern am Ende mit. Aus der Traum!
HANNA RAIF