„Patrick macht einen guten Job“: Werner zeitnah mit Coach Glöckner die Zukunft besprechen. © Sampics
Liebeserklärung an die Löwen: Christian Werner, seit Januar 2024 als Sportgeschäftsführer im Amt, fühlt sich bei 1860 gerade am richtigen Platz. © Sampics / Stefan Matzke
München – Ambitioniert gestartet, zwischendurch im Alarm-Modus, jetzt mit der Chance, eine bewegte Saison auf einem guten Tabellenplatz abzuschließen. Sportgeschäftsführer Christian Werner (43), Architekt der aktuellen Löwen-Elf, spricht im Interview über Krisenmanagement und Zukunftsperspektiven.
Herr Werner, die Löwen haben fünf Spieltage vor Schluss 48 Punkte. Nehmen Sie inzwischen Glückwünsche zum Klassenerhalt an?
Nein, solange es nicht auch rechnerisch durch ist, wäre das respektlos anderen Teams gegenüber. Ich gebe aber zu, die Wahrscheinlichkeit ist seit dem Sieg in Mannheim sehr hoch, dass wir durch sind.
In die Freude darüber platzte am Sonntagabend die Meldung, dass Hasan Ismaik seine Anteile verkaufen möchte. Waren sie überrascht oder gar schockiert?
Das ist ein Gesellschafterthema – es steht mir als Geschäftsführer nicht zu, da irgendeine Meinung zu äußern. Ich habe ein hervorragendes Verhältnis zu beiden Gesellschaftern.
Blicken wir zurück auf den 1. März, 14.45 Uhr. Da lag 1860 zur Pause mit 0:1 bei Hannover II hinten. Die Abstiegsgefahr war plötzlich real… Welche Erklärung gibt es für die rasante Positiv-Entwicklung seither?
Für mich war nach unseren Korrekturen im Winter klar, dass wir zeitnah ins Laufen kommen. Ich hatte volles Vertrauen in die Mannschaft, den Trainer.
Hätte man im Nachhinein früher reagieren sollen in der Trainerfrage?
Zu internen Abläufen möchte ich in der Öffentlichkeit nichts sagen, das wäre unprofessionell. Wir mussten nach dem Saarbrücken-Spiel final reagieren, weil wir das Gefühl hatten, den Turnaround in dieser Konstellation nicht mehr hinzubekommen.
Apropos Turnaround. Zehn Punkte Vorsprung sind es nach unten, wo der Sportchef offiziell hinschaut. Viele Fans rechnen aber bereits euphorisiert nach oben. Wann sind Sie bereit, die Blickrichtung in der Tabelle zu wechseln?
Ich sehe immer die Gesamtkonstellation. Wir haben die Aufgabe und die Pflicht, unsere Hausaufgaben bestmöglich zu erledigen. Bestmöglich heißt: Wir gehen mit vollem Engagement in jedes Spiel, wollen jedes der ausstehenden fünf Spiele gewinnen.
Die neue Löwen-Mentalität…
Wie werden sicher auch mal wieder ein Spiel verlieren – und dann auch damit umgehen können. Aber der Anspruch von mir, dem Trainer und dem Team ist, die maximale Punktzahl zu ziehen. Und dann schauen wir einfach, wo wir am Ende in der Tabelle landen.
Mit 63 Punkten unter Umständen relativ weit vorne.
Wir müssen bei allem Ehrgeiz bescheiden bleiben, was dieses Thema angeht. Es gibt in dieser 3. Liga kein Spiel, in das man als Favorit reingeht. Was mir sehr wichtig ist: Ich möchte, dass wir kein einziges Spiel mit auch nur einem Prozentpunkt weniger angehen. Ich erinnere an das Saisonfinale 2024 gegen Bielefeld (0:2). Ich würde maximal allergisch reagieren, wenn ich so einen Spannungsabfall irgendwo spüren würde.
Das Team wirkt aktuell gefestigt, spielt teilweise begeisternden Fußball. Welchen Anteil hat Patrick Glöckner an dieser Entwicklung? 1,85 Punkte pro Partie sind ein Topschnitt.
Der Trainer macht einen guten Job – ebenso sein Trainerteam und der gesamte Staff. Uns ist allen klar, dass Patrick einen großen Anteil hat. Das freut mich auch für ihn persönlich.
Dann wird man vermutlich auch mit ihm in die neue Saison gehen…
Wenn es etwas zu vermelden gibt, werden wir dies über unsere offiziellen Kanäle tun.
Es wäre naheliegend, das Team, das sich gefunden hat, zusammenzuhalten.
Die Achse steht mit vielen festen Größen unter anderem für die Innenverteidigung und fürs Zentrum. Dazu gibt es Spieler, mit denen wir unbedingt verlängern wollen, wo wir auch in konkreten Gesprächen sind… Das Problem ist: Wenn Spieler bei uns gut performen, dann stehen sie auch woanders auf dem Zettel. Sobald ein Zweitligist konkreter wird, wird es schwer, die Jungs zu halten. So wie bei Fynn Lakenmacher letzte Saison.
Was macht man dann da?
Auf jeden Fall keine ungesunden Sachen. Wir sind bei 1860 weder in der Lage noch willens, dass wir uns über das Geld definieren. Wir bieten unseren Spielern leistungsgerechte und gute Verträge an, versuchen sie für diesen wirklich lebendigen Traditionsclub zu begeistern. Ich kann aber auch jeden Spieler verstehen, der sagt: Hey, ich habe ein Angebot aus der zweiten Liga und möchte diesen Weg gehen. Nicht nur für diese Fälle haben wir eine sehr, sehr gute Scouting-Abteilung und Kaderplanung.
… um etwa einen Nachfolger für Julian Guttau zu verpflichten?
Den Namen haben Sie gesagt. Das können aber auch andere Spieler sein, deren Verträge auslaufen.
Es überrascht, dass bei Fanliebling Marco Hiller der Vertrag ausläuft. Wie ist das zu erklären?
Marco macht einen guten Job, auch beim Sieg in Mannheim hat er eine sehr gute Leistung gebracht. Ich habe nie ein Geheimnis daraus gemacht, dass ich Marco für einen sehr guten Torhüter halte – und gerne mit ihm verlängern würde, wenn es wirtschaftlich machbar ist.
Wie sieht es mit externen Verstärkungen aus? Aktuell ist nur bekannt, dass Kilian Jakob kommen soll.
Nur so viel: Kilian ist ein hochinteressanter Spieler, nicht nur wegen seiner Löwen-Vergangenheit, auch wegen seiner Polyvalenz auf der linken Seite. Im Gesamtkonstrukt könnte ein Transfer total sinnhaft sein, aber man muss man sehen, wie sich das alles entwickelt.
Sonstige Transfers?
Natürlich machen wir unsere Hausaufgaben. Die Pläne für die Regionalliga konnten wir zum Glück ad-acta legen. Darüber hinaus sind wir seit Wochen in konkreten Gesprächen. Priorität haben unsere eigenen Spieler, und als nächstes bringen wir die begonnenen Gespräche mit externen Neuzugängen zu Ende.
Eine sehr entscheidende Vertragsverlängerung haben Sie bereits hinbekommen – ihre eigene. Was wollen Sie mit 1860 in der Zukunft erreichen?
Sechzig ist ein Traditionsclub, für den ich ganz viel Verantwortung spüre. Ich investiere sehr viel, dass wir diesen Verein sowohl strukturell als auch sportlich weiterentwickeln. Ich glaube, wir sind da auch auf einem richtig guten Weg. Ich spüre viel Liebe für diesen Club – und viel wertschätzenden Respekt, den ich mit Erfolg zurückgeben möchte. Mein Gefühl ist, dass ich hier gerade genau am richtigen Platz bin.
Das Ziel für die nächste Saison dürfte feststehen. Wenn man die jüngste Entwicklung sieht, kann das ja nur der Aufstieg sein…
Und dann kaufe ich ein Brasilianer (lacht).
Wenn der Aufstieg nicht diese Saison noch klappt…
Wir wollen jedes Spiel gewinnen, das hatte ich bereits gesagt, aber das passiert nicht, das ist absolut unrealistisch.
INTERVIEW: ULI KELLNER