Physisch starker Mittelstürmer: Josh Samanski, hier im WM-Testspiel gegen Tschechien. © DEB/City-Press
Regensburg/München – Niemand in Deutschland bekam mit, dass Stan Bowman sich vor ein paar Wochen einige Eishockeyspiele der Straubing Tigers ansah, niemand (er)kannte den 51-Jährigen.
Drüben in Nordamerika ist er eine große Nummer. Sohn von Scotty Bowman, dem erfolgreichsten Trainer in der Geschichte der National Hockey League, der neunmal den Stanley Cup gewann, seine Spieler schliff, aber Krawatten mit Comicfiguren drauf trug. Und Stan Bowman machte eine eigene bemerkenswerte Karriere mit drei Cup-Siegen als General Manager der Chicago Blackhawks; seit 2024 ist er Chef der Edmonton Oilers. Als solcher reiste er nach Niederbayern, um einen jungen deutschen Spieler kennenzulernen – und ihn letztlich zu verpflichten: Joshua Samanski, 23, geboren in Erding, wird zu den Oilers wechseln, wo mit Leon Draisaitl sein berühmter Landsmann und mit Connor McDavid der anerkannt Weltbeste spielen. Joshua Samanski, der sich in der Kurzform „Josh“ nennt, sagt: „Das ist eine Ehre, wenn Stan Bowman, einer, der so viel zu sagen hat, sich die Zeit nimmt, rüberzufliegen und einen besuchen kommt.“ Und es könnte ein gutes Zeichen sein, dass Edmonton wirklich etwas vorhat mit ihm. Und er der nächste deutsche NHL-Spieler wird.
Bereits jetzt bei den Länderspielen der deutschen Nationalmannschaft und der WM im Mai in Dänemark wird Josh Samanski offiziell als der Organisation der Edmonton Oilers zugehörig gelistet. Christian Künast, der Sportdirektor des Deutschen Eishockey-Bundes (DEB), musste beim NHL-Club die Freigabe erbeten und den Spieler und seinen Vertrag, den dieser eben erst unterzeichnet hatte, versichern. Josh Samanski wirkt wie im Zwiespalt, ob er jetzt noch Straubing oder schon Edmonton repräsentiert. Also sieht er sich „den vielen Clubs, die mich ausgebildet haben“ verbunden. Es sind dies: der TSV Erding, die Jungadler Mannheim, die Brantford 99ers und Owen Sound Attack in der kanadischen Juniorenliga, die Ravensburg Towerstars und der EV Landshut in der DEL2, die Straubing Tigers in der DEL. Als Junior war Samanski nicht gut genug, um gedraftet zu werden, erst auf dem zweiten Bildungsweg schaffte er es, für die beste Profiliga interessant zu werden. „Es hat mich geprägt, dass ich mir erkämpfe, was ich will“, sagt er.
Sein Vater John, heute 62, war kanadischer Nationalspieler, kam 1984 als junger Sonny Boy vom College nach Deutschland, wurde ein Star in der zweiten und dritten Liga und in Bayern sesshaft. Joshua, einer von vier Söhnen, hat „gar nicht so viel Bezug zu drüben“, Nordamerika reizt ihn nicht wegen seiner familiären Wurzeln, sondern weil die NHL das höchste Ziel darstellt. Er war bereit, „jede Chance anzunehmen“ – nun bekommt er eine beim vielleicht aufregendsten Team. Zur idealen Zeit. Die Oilers sind eine der ältesten Mannschaften, sie benötigen eine Verjüngung. Die auch nicht viel kosten soll. In der kommenden Saison darf ein NHL-Team für 23 Spielergehälter 95,5 Millionen US-Dollar ausgeben –von denen 14 Millionen an Draisaitl gehen, 12,5 an McDavid, 9,25 an Verteidiger Darnell Nurse. Der nächste Vertrag von McDavid (ab 2026) wird mit mindestens 16 Millionen zu Buche schlagen. Samanski bekommt einen über zwei Jahre laufenden Entry-Level-Contract, dotiert mit maximal 925000 Dollar pro Saison. Die Preissensibilität der Oilers könnte für ihn zum Plus werden.
Leon Draisaitl hat via Livestream zur Jahreswende die Straubing Tigers beim Spengler Cup in Davos verfolgt: „Da sah Josh Samanski gut aus“, lautet das Urteil des Superstars, „und ich höre, dass er viel Potenzial hat und auf einem physisch sehr guten Level ist. Ich hoffe, er packt es, ich freue mich sehr auf einen deutschen Kollegen.“ Samanskis Wangen glühen ein wenig, als ihm diese „tollen Worte“ übermittelt werden, doch ihm ist auch bewusst, dass er durch einen harten Ausleseprozess für den NHL-Kader gehen muss. Er könnte auch im Farmteam, bei den Bakersfield Condors in der American Hockey League, landen. Nach dem 0:1 der Nationalmannschaft am Samstag in Regensburg gegen Tschechien wurde Josh Samanski immer wieder von Hustenanfällen durchgerüttelt. DEL, Champions League, Spengler Cup, Nationalmannschaft – er hat schon fast 80 Spiele intus. Er hat kein einziges verpasst und will auch gar keine Pause: „Was ich in den nächsten Wochen und Monate fabriziere, zählt.“
GÜNTER KLEIN