Mit drei Bier nach Madrid

von Redaktion

Bayerns Basketballer sollen nach Belgrad-Krimi „den Kopf frei bekommen“

Der Kapitän geht voran: Vladimir Lucic traf in der Verlängerung zwei wichtige Drei-Punkte-Würfe und kam am Ende auf 13 Zähler. © IMAGO

München – Gegen Real Madrid hat die aufregende Euroleague-Saison des FC Bayern Basketball begonnen, am Freitag (20.45 Uhr/MagentaSport) könnte die teilweise dramatische Reise bei den Königlichen zu Ende sein. Noch in bester Erinnerung geblieben ist das Dreier-Festival von Jo Voigtmann und der Sieg gegen Real bei der großen Eröffnung des SAP Gardens. Es war die erste magische Nacht in Münchnens neuer Spielstätte. Die letzte erlebten die Zuschauer am Dienstagabend beim hoch emotionalen Verlängerungsdrama gegen Roter Stern Belgrad, das der FCB mit 97:93 (84:84) für sich entschied.

„Leider bringt uns dieser Sieg noch gar nichts“, sagte Kapitän Vladimir Lucic, der mit zwei schnellen Dreiern in der Verlängerung sein Team auf die Siegerstraße brachte. Das Highlight des Spiels sollte aber erst noch kommen: 16 Sekunden vor dem Ende drohte Nick Weiler-Babb beim Stand von 92:89, in der eigenen Hälfte den Ball zu verlieren. Verzweifelt warf er ihn rückwärts über den Kopf nach vorne, wo Devin Booker perfekt eingelaufen war und zur Enscheidung dunkte – ob ungewollt oder gewollt, die Kommentatoren bei MagentaSport betitelten dieses Zuspiel euphorisch mit „Pass des Jahrhunderts“.

Zuvor erlebten Fans, Mannschaften und Trainer eine Achterbahnfahrt der Gefühle. Erst erspielten sich die Serben eine Zehn-Punkte-Führung, im dritten Viertel „sind wir ins Rollen gekommen“ (FCB-Coach Gordon Herbert), bevor Roter Stern im Schlussabschnitt zurückschlug – summa summarum stand es nach 40 intensiven Minuten 84:84. „Das ist Basketball, das lieben die Fans“, sagte Lucic.

Dass sein Team es wieder einmal unnötig spannend gemacht hatte, war Herbert herzlichst egal. Wobei sich seine Schützlinge durchaus die fünfminütige Extraschicht sparen hätten können: Star-Aufbauspieler Carsen Edwards zog unnachahmlich zum Korb und setzte 2,4 Sekunden vor der Sirene den vermeintlichen Schlusspunkt. Doch wie so oft wandelte der 27-Jährige wieder zwischen Genie und Wahnsinn. Er verschlief den letzten Einwurf, sodass Belgrads Topscorer Filip Petrusev (30 Punkte) ungehindert ausgleichen konnte.

Nach dem nicht nur auf dem Feld hitzigen Spiel (mehrmals musste die Polizei im Gästeblock eingreifen) kochten auch bei den Protagonisten die Emotionen über. Nikola Kalinic und ein serbischer Betreuer lieferten sich mit dem sonst sehr in sich gekehrten Bayern-Trainer ein erregtes Wortgefecht. Darauf angesprochen antwortete Herbert: „Wir haben uns nur über die letzten Eishockey-Ergebnisse unterhalten. Ich war enttäuscht, dass mein Lieblingsteam verloren hat“, scherzte er.

Vor dem ersten K.o.-Spiel der Play-Ins erzählte er seiner Mannschaft eine Anekdote aus den 80ern. „Bei der WM lief es nicht so gut und mein Coach sagte, wir sollen jeder drei Bier trinken und entspannen. Das habe ich den Spielern gestern als Witz erzählt. Ich glaube, manche haben das wörtlich genommen.“ Die Spieler müssen auch einmal abschalten dürfen und „den Kopf frei bekommen“. Dass wieder nur drei Tage zwischen den Spielen sind, sieht Kapitän Lucic gar nicht so dramatisch: „Es ist genug Zeit und mittlerweile sind wir es gewohnt.“ Das Ziel ist klar: „Wir wollen in die Playoffs.“ Einen Sieg sind die Bayern noch davon entfernt.
ALEXANDER VORMSTEIN

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