Butkereit/Judo-EM: Matt statt Matte

von Redaktion

Köln – Auch knallharte Judoka tragen ihren schwierigsten Kampf mitunter nicht auf der Matte aus. Topathletin Anna-Maria Wagner erwischte die Nach-Olympia-Depression nach ihrem Traumjahr 2021, auch Miriam Butkereit blieb nach ihrem Silber-Coup von Paris nicht vom mentalen Tief verschont. „Ich habe zwölf Stunden geschlafen und wollte nicht aufstehen“, klagte die 30-Jährige zum Jahreswechsel.

Judo auf Weltniveau ist zu einer brutalen Hatz geworden – im Vorjahr standen binnen dreieinhalb Monaten Olympia, EM und WM an. Mit dem Ende eines Olympiazyklus beginnt der nächste, der Kalender kennt keine Gnade. Nach sechs Jahren im Hamsterrad zwischen Verletzungen und Termindruck holte Butkereit olympisches Silber, sagte daraufhin: „Du hast das Ziel erreicht, auf das du jahrelang hingearbeitet hast, und dann fragst du dich, was jetzt noch kommt“.

Bei der EM ab Mittwoch in Montenegros Hauptstadt Podgorica bestreitet Butkereit ihre erste große Meisterschaft seit den Sommerspielen. Sie habe wieder Lust auf Judo, „auch wenn alles wehtut, der Körper nichts verzeiht. Aber es ist megacool. Eine EM- und WM-Medaille fehlen mir noch“, sagte die Athletin des SV Halle.

Judo führt mental und körperlich in Grenzbereiche. Dabei erschweren künftig noch Mittelkürzungen des Bundes den Judo-Sport und treffen den Deutschen Judobund empfindlich. Ein frustrierender Kreislauf, der selbst erfahrene Topathletinnen in mentale Sackgassen geraten lässt.
SID

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