Leverkusen-Boss Fernando Carro hat im Sommer viel zu tun, um wieder eine Mannschaft auf die Beine zu stellen, die Bayern gefährlich werden kann. © X
München – Seit Monaten baggern die Bayern offensiv an Leverkusen-Star Florian Wirtz. Am Rande des Laureus World Sports Awards in Madrid platzte Fernando Carro, dem Geschäftsführer der Werkself, deshalb nun der Kragen. „Die Bayern haben sich mit uns nicht in Verbindung gesetzt. Von daher gibt es da kein Angebot der Bayern“, sagte der Spanier am Montagabend angesprochen auf die Münchner Avancen. „Das ist ja wirklich eine Show, das geht mich nichts an. Die erzählen so viel, eigentlich gehört sich das nicht.“
Bayerns Baggerei an Wirtz also nur Theater? Didi Hamann sieht das anders, wie er im Gespräch mit unserer Zeitung erklärt. Zwar sagt der Sky-Experte: „Ich kann Fernando Carro verstehen. Seit Wochen sprechen die Bayern öffentlich über Florian Wirtz. Dass das Leverkusen nicht recht ist, ist verständlich. Der Verein muss auch mal für die Zukunft planen.“ Andererseits betont Hamann aber auch: „Dass die Bayern so offensiv an die Personalie rangehen, zeigt, dass sie Florian Wirtz mit aller Macht nach München holen wollen. Wenn man sich öffentlich so äußert, dann gibt es kein Zurück mehr.“
Bayern-Ehrenpräsident Uli Hoeneß kommunizierte Anfang des Jahres bereits öffentlich, dass er von einem Wirtz-Transfer träume. Im Interview mit der italienischen Zeitung „Corriere della Sera“ legte sein Aufsichtsratskollege Karl-Heinz Rummenigge Mitte März nach. Auf die Frage, ob man Wirtz und Jamal Musiala bald gemeinsam bei den Bayern sehen werde, antwortete der frühere Vorstandsvorsitzende: „Ich hoffe es, denn es wäre ein großer Coup für uns, Wirtz und Leverkusen überzeugen zu können.“
Beim Vorjahres-Meister steht der Offensiv-Star noch bis 2027 unter Vertrag. Heißt: Für einen möglichen Transfer im Sommer müssten interessierte Vereine wie Bayern, Manchester City oder Real Madrid eine Riesensumme auf den Tisch legen. „Es wird über 150 Millionen Euro Ablöse gesprochen. Das ist doch unseriös. Alle sollten mal abwarten, bis eine Entscheidung getroffen wird, ob der Spieler den Verein verlassen will oder verlassen kann. Dann bin ich bereit, mich dazu zu äußern. Aber solange ist das alles Hokuspokus“, sagte Hoeneß zuletzt im BR.
Auch um Leverkusen-Trainer Xabi Alonso (Vertrag bis 2026) gibt es Wechsel-Spekulationen. Der Spanier gilt als Favorit auf die Nachfolge von Carlo Ancelotti, sollte für ihn im Sommer Schluss bei Real Madrid sein. Carro will in den kommenden Wochen, noch vor Saisonende, Klarheit haben. „Falls Xabi Alonso nächste Saison noch Trainer von Bayer Leverkusen ist, halte ich es nicht für ausgeschlossen, dass auch Wirtz bleibt“, so Hamann. An einen Wechsel des 21-Jährigen zu ManCity glaubt er nicht: „Ich denke, dass Bayern und Real die einzigen Optionen sind.“
Jonathan Tah wird die Werkself eigenen Aussagen zufolge indes definitiv im Sommer verlassen. Lothar Matthäus würde einen Wechsel des Verteidigers, an dem auch der FC Barcelona Interesse zeigt, nach München begrüßen. „Ich würde mich auf jeden Fall mit Tah beschäftigen“, schrieb der TV-Experte in seiner Sky-Kolumne.
Gegen einen Tah-Wechsel wäre Carro machtlos. Er ist nach der Saison ablösefrei.
P. KESSLER, V. TSCHIRPKE