Seinen ersten Turniersieg im Jahr 2025 feierte Michael van Gerwen in München. © Thoden/PDC Europe
Luke Littler will Turniere in Deutschland auslassen. © Thoden/PDC Europe
Mittelfinger-Geste: Scott Williams sorgte in München für einen weiteren Eklat. © Sport1
Partystimmung im Zenith: Snakebite Peter Wrigth stand bei den Fans noch höher im Kurs als Luke Littler. © Thoden/PDC Europe
Jonny Clayton (li.) und Joe Cullen haben ihre Darts gegen Hammer getauscht. © IMAGO/Lindenthaler
München – Da staunten die Kunden im Trachten-Geschäft Angermaier im Herzen Münchens am Samstagvormittag nicht schlecht: Inmitten von Lederhosen und Dirndln spielten Jonny Clayton (Fünfter der Weltrangliste) und Joe Cullen erstmals in ihrem Leben in bayerischer Tracht Darts. „Sie fühlt sich großartig an, ich habe es mir schlimmer vorgestellt“, sagte der Waliser, der ankündigte, unbedingt das Oktoberfest besuchen zu wollen. Auch Cullen genoss den Termin beim Trachtenhändler, bei dem für die beiden Kumpels auch noch „Nageln“, „Bierfuizl fangen“ und „Bayerische Wörter erraten“ auf dem Programm standen.
In Feierlaune waren sie nach ihren Auftritten im Zenith nicht mehr. Für Cullen war beim European-Tour-Event im Achtelfinale gegen Superstar Luke Littler Schluss, Clayton verlor in der zweiten Runde gegen Deuschlands Nummer eins Martin Schindler. Ganz im Gegensatz zu den feierwütigen Fans: „Die Halle ist vom ersten bis zum letzten Dart voll“, sagte Philip Brzezinski, der die Turniere der European Tour moderiert: „Selbst wenn man noch nicht so viele Berührungspunkte mit Darts hat, ist es eine großartige Party.“
Für Aufsehen sorgte einmal mehr Scott Williams, der vor seinem Zweitrunden-Match gegen Josh Rock vom Publikum provoziert worden sei und beim Warmwerfen mit einer obszönen Geste antwortete. Es war nicht das erste Mal, dass er sich mit den deutschen Fans anlegte. Nachdem der 35-jährige Engländer bei der WM 2023 Schindler bezwungen hatte, provozierte er mit seiner Aussage: „Ich weiß, dass wir zwei Weltkriege gewonnen haben.“
Auch Weltmeister Luke Littler fühlte sich in München nicht wohl. Er postete nach seinem Halbfinal-Aus gegen Gian van Veen auf Instagram, dass sein nächstes Turnier in Deutschland die EM in Dortmund (im Oktober) sei. Das heißt, er würde die vier noch ausstehenden European-Tour-Events auf deutschem Boden sowie den World Cup of Darts in Frankfurt auslassen.
Sportlich sorgte Turniersieger Michael van Gerwen für ein historisches Highlight. Im Achtelfinale zeigte er den 3500 Fans das perfekte Leg, es war der erste Neun-Darter im Zenith. „Natürlich ist das immer besonders, aber es ist nur ein Leg“, kommentierte „Mighty Mike“. Er hatte zuletzt eine schwierige Phase, musste den Premier-League-Abend in Berlin aufgrund von Schulterproblemen absagen. Nun war er wieder schmerzfrei. „Es ist unmöglich, mit Schmerzen so eine Leistung zu zeigen“, sagte er zufrieden auf Nachfrage unserer Zeitung. Sein erster Titel im Jahr 2025 „bedeutet mir die Welt“, so der emotionale van Gerwen. Über seinen Landsmann und Finalgegner, der unter anderem Schindler aus dem Turnier warf, sagte er: „Gian hat eine große Zukunft vor sich, aber er muss verstehen: Es gibt nur einen König in Holland!“
MvG hatte im Gegensatz zu Williams und Littler nur positive Worte für das Münchner Publikum, das vor allem im Finale noch einmal alles gab. Ein als Obelix verkleideter Berliner stimmte Darts-Klassiker wie „Hey Baby“, „Oh wie ist das schön“ an, machte mit „seinen“ Fans sogar eine Humba und wurde dafür so gefeiert wie die Profis. Später sagte er gut gelaunt unserer Zeitung: „Das ist doch Wahnsinn hier. Vom Finale haben wir dann gar nicht mehr so viel mitbekommen, aber immerhin noch den Matchdart gesehen.“
ALEXANDER VORMSTEIN,
MARCO BLANKO UCLES