Kämpferherz: Von der Herz-OP zum Titelträger. © IMAGO
Sieger unter sich: Abwehrkante Nauber (li.) und Elferkiller De Busser haben große Anteile am Pokalsieg. © IMAGO
Die Sensation ist perfekt: Zum ersten Mal in der Vereinsgeschichte der Go Ahead Eagles holen die Bademantel-Helden um Gerrit Nauber (3. v. li.) den niederländischen Pokal. © IMAGO
Deventer – Der Bademantel stinkt. Gerrit Nauber hat das knatschgrüne Teil vor einem Hotel in Deventer lieber neben sich gelegt – denn ein paar Bierflecken hat es bei der stürmischen Pokal-Party der Go Ahead Eagles dann doch abbekommen. „Unfassbar, einmalig und sensationell“ sei es gewesen, berichtet der deutsche Fußball-Profi mit leicht belegter Stimme. Den ersten Titel des Vereins seit 92 Jahren haben die Helden von Rotterdam bis um drei Uhr „in einer Halle für Radrennen“ gefeiert.
Gerrit Nauber war mittendrin. Als niederländischer Pokalsieger. Und das nicht einmal ein Jahr nach einer Schock-Nachricht. „Ich dachte, die wollen mich verarschen“, sagt der 33-Jährige. Er habe sich manchmal weniger fit gefühlt nach dem Training, das schob er allerdings auf sein gehobenes Fußballer-Alter. „Maximal unerwartet“ musste er im Sommer letzten Jahres „eine Herzoperation durchführen lassen, um weiter Leistungssport treiben zu können“.
Alles richtig gemacht, sagt er heute. Doch auf dem Weg zurück hatte er grauenhafte Szenen vor Augen. „Ich habe gesehen, wie Spieler auf dem Platz zusammengebrochen, ja sogar gestorben sind. Ich wäre wohl der nächste gewesen.“
So kam es nicht, zum Glück: Am Abend des Ostermontag rannte der Innenverteidiger mit seinen Teamkollegen nach dem Elfmeterschießen gegen AZ Alkmaar auf die tobende Fankurve zu. In den Bademänteln ging es zur Siegerehrung, am Dienstag war er schließlich auf dem Titelblatt der Zeitung De Stentor zu sehen – mit Heineken-Dose in der Hand.
51.177 Fans sahen zuvor 120 atemberaubende Minuten im Rotterdammer de Kuip. Das dominante Alkmaar ging per Elfmeter (54.) in Front, die Go Ahead Eagles erzwangen in Person von Mats Deijl in letzter Minute die Verlängerung (90.+9), ebenfalls vom Punkt. Die Entscheidung fiel letztlich erst im Elfmeterschießen, in dem Eagles-Schlussmann De Busser mit zwei gehaltenen Bällen zum Helden avancierte.
Gerrit Nauber hatte am Pokalsieg im doppelten Sinne seinen Anteil. Als Spieler: Beim sensationellen Halbfinal-Triumph bei der PSV Eindhoven traf er zur Führung, verursachte einen Elfmeter und rettete in der Schlussphase unmittelbar vor der Torlinie. Und mit perfektem Timing: Im Finale ließ er sich absprachegemäß in der 120. Minute auswechseln. „Julius“, Julius Dirksen, „hat einen starken Fuß, das wussten wir.“ Dirksen kam – er versenkte den vierten und entscheidenden Elfmeter.
Für Nauber war es die Krönung einer anständigen, aber nicht herausragenden Profi-Karriere. Er spielte nach der Ausbildung bei Bayer Leverkusen für den MSV Duisburg und den SV Sandhausen, bevor ihn der heutige Schalke-Trainer Kees van Wonderen in die Niederlande holte.
Nun jedoch klebte am Dienstagmorgen der gesamte Marktplatz vor dem wunderschönen Geschichtsmuseum De Waag. Tausende Bierbecher und alles andere, worin Alkohol sonst noch transportiert werden kann, waren Ausweis einer gigantischen Party. „Dabei kommt die eigentliche Feier noch!“, so Nauber: Bei der Parade an der Ijssel wird er am Mittwoch vom Festwagen winken. Wer hätte das gedacht.
SID