Von fliegenden Autos fehlte noch jede Spur, als der Neom SC den Aufstieg in die saudische Premier League feierte. Auch fleißige Roboter waren beim wohl reichsten Klub der Welt nicht zu sehen. Doch das alles soll sich bald ändern. Denn der Verein aus Tabuk, der vor zwei Jahren noch vor dem Abstieg in die vierte Liga stand, hat Großes vor. Erst sollen Stars wie Kevin De Bruyne kommen – und dann der Umzug in eine Fantasiestadt erfolgen, die Kritiker schon jetzt als „gruselig“ bezeichnen.
„Der heutige Aufstieg war nur der Anfang. Wir wollen nun das wiederholen, was wir in der zweiten Liga mit der Meisterschaft erreicht haben“, sagte Klubchef Meshari Al-Motairi nach dem 3:0 beim Al-Arabi SC, der die letzten Zweifel am Aufstieg beseitigte. Mit Stars wie De Bruyne, der seit Wochen mit Neom in Verbindung gebracht wird? „Kein Kommentar“. Mit einem Trainer aus Europa? „Kein Kommentar“.
Das nötige Kleingeld hat der Klub jedenfalls. Bis 2023 hieß der Verein noch Al-Suqoor und kickte vor einer Handvoll Fans. Dann kaufte ihn die vom saudischen Staatsfonds PIF alimentierte Privatgesellschaft Neom, die 200 Kilometer entfernt die futuristische Planstadt „The Line“ baut. Dort soll es keine Straßen und keine Währung geben – dafür aber ein Mega-Stadion in luftiger Höhe, in dem 2034 auch WM-Spiele stattfinden sollen. Sobald die Arena fertig ist, soll der Neom SC aus Tabuk dorthin ziehen.
Derzeit sei der Klub „wie ein künstliches Organ, das in einem Inkubator gezüchtet wird. Sobald es funktioniert, wird es umgepflanzt“, sagt der Journalist James Montague. Der Brite hat sich in seinem Buch „Engulfed“ ausgiebig mit Neom beschäftigt und Saudi-Arabien mehrfach besucht. Montague nennt Neom „den reichsten Klub in der Geschichte des Fußballs“, er spricht von einem „Trillion-Dollar-Team“.
Doch es gibt auch Kritiker. Weil die Mega-City, in der Neom irgendwann spielen soll, von Künstlicher Intelligenz gelenkt und von Robotern am Laufen gehalten werden soll, fürchten Beobachter eine totale Überwachung. Zudem mussten für den Bau 20 000 Beduinen weichen. Berühmt ist der Fall von Abdul Rahim Al-Huwaiti, der 2020 gegen seine Umsiedlung protestierte und wenig später getötet wurde, laut saudischen Aktivisten von Regierungskräften. Zudem ist der Bau der Stadt zuletzt gehörig ins Stocken geraten.
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