Motiviert bis in die Fingerspitzen: Manuel Neuer. © IMAGO
München – Das enttäuschte Gesicht, mit dem Manuel Neuer nach dem 2:2 gegen Inter durch die Katakomben des Mailänder Giuseppe-Meazza-Stadions in Richtung Bus schlich, ist gut eine Woche später nicht mehr zu erkennen. Denn auch wenn es den Kapitän des FC Bayern nach wie vor wurmt, dass das Champions-League-Halbfinale zum vierten Mal in fünf Jahren ohne den deutschen Rekordmeister stattfindet, hat er den Blick längst nach vorne gerichtet. Am Samstag um 15.30 Uhr geht es für sein Team um die Meisterschaft, sehr gerne würde man den ersten Matchball vor heimischem Publikum verwandeln. Und noch lieber würde auch Manuel Neuer wieder aktiv dabei mithelfen. Ausgeschlossen ist das nicht.
Die verletzte Wade des 39-Jährigen fühlt sich schon seit einiger Zeit deutlich besser an als vor dem ersten Comeback-Versuch Mitte März. Seit Anfang der Woche fliegt Neuer, der sich nun seit eineinhalb Monaten in Reha- und Aufbautraining befindet, durch den Strafraum. Den individuellen Einheiten bei voller Belastung folgt nun der nächste Schritt – die Rückkehr ins Mannschaftstraining. Medizinisch spricht nichts gegen einen Einsatz gegen Mainz, trotzdem soll die Entscheidung über die Besetzung des Bayern-Tors in Absprache mit Neuer kurzfristig fallen. Vincent Kompany will genau wie der Keeper selbst kein Risiko eingehen. Ist es nicht Mainz, ist es eben kommende Woche Leipzig.
Dass die Dinge womöglich anders gelagert wären, würde ein K.o.-Spiel in der Königsklasse anstehen, ist logisch. Aber die Erfahrung der letzten Wochen lehrt, dass eine überstürzte Rückkehr keinen Sinn hat. Zwar brennt Neuer, so ist zu hören, auf sein Comeback, er scharrt mit den Hufen und will dringend zurück auf den Acker. Aber er kennt seinen Körper inzwischen so gut, dass er weitsichtig plant. Ob er nun noch vier oder fünf Saisonspiele auf dem Platz steht, ist letztlich egal. Wichtiger ist, mit Blick auf die Club-WM keinen Rückschlag zu riskieren, sondern bei vollen Kräften und topfit in die USA zu reisen. Als Nummer eins, versteht sich.
Denn am internen Standing hat sich trotz der auch von Neuer als stark eingestuften Leistungen von Jonas Urbig nach Informationen unserer Zeitung nichts geändert. Ist Neuer wieder fit, steht er im Kasten – so zumindest ist es für den Rest der Saison klar kommuniziert. In der kommenden, aller Voraussicht nach letzten Spielzeit des Kapitäns allerdings dürfte Urbig auch als Nummer zwei zu Einsätzen kommen, wenn Neuer fit ist. So der Plan – von dem alle überzeugt sind. Denn Neuer und Urbig, so sagt man im Club und so sagen auch beide Seiten: das funktioniert!
Als gut, talentiert und fokussiert sieht Neuer seinen designierten Nachfolger, er stützt und fördert Urbig. Vor allem die Ruhe und Unaufgeregtheit im Umfeld des jungen Keepers gefällt ihm. Es fühlt sich anders, besser, richtiger an als einst mit Alexander Nübel. Der Blick nach vorne gibt Grund für Optimismus.
H. RAIF, P. KESSLER