Das Sorgenkind ist erwachsen

von Redaktion

Dembélé will mit Paris ins Königsklassen-Finale – die letzte Hürde: Arsenal

Kaum wiederzuerkennen: Ex-Borusse Dembélé spielt die beste Saison seiner Karriere. In dieser Spielzeit konnte der 28-Jährige sein Potenzial, das er auch schon beim BVB andeutete, endlich auf den Rasen bringen. Auch auf größter Bühne. © IMAGO

London – Kylian Mbappé verwandelte die Steilvorlage wie einen Traumpass in den Lauf. Wem er gerne eine Brille schenken würde, wurde der französische Stürmerstar bei einer Wohltätigkeitsveranstaltung zur Augengesundheit gefragt. Seinem Kumpel Ousmane Dembélé, antwortete Mbappé lächelnd, „sie würde ihm beim Toreschießen helfen“.

Das war Ende 2023, Dembélé war nach zwölf Saisonspielen für Paris Saint-Germain zum Verdruss seines Mitspielers Mbappé torlos. Letzterer spielt inzwischen in Madrid – und Dembélé ist bei PSG vom „Chancentod“ auf rechts Außen zum treffsicheren Neuner mutiert. Auf der ewigen Jagd nach dem Henkelpott stellt sich Paris dem FC Arsenal am Dienstag (21.00 Uhr/Prime Video) im Halbfinalhinspiel der Champions League mit dem besten Dembélé entgegen, den es je gab.

„Ich habe das Gefühl, endlich zu mir selbst gefunden zu haben“, sagte er kürzlich in der Zeitung Le Parisien. Der Profi, den die Dortmunder Fans auch als schnöseligen Totalverweigerer kennen, behauptet von sich, er sei mit bald 28 Jahren „erwachsen geworden“. Vorbei die Zeiten, in denen er sein riesiges Talent unreif zur Schau stellte, seine Tage zockend vor der Konsole vergeudete, in der Kabine der Nationalmannschaft Pizza aß und regelmäßig mit Disziplinlosigkeiten auffiel. Von dem Mann „zwischen Wahn und Witz“ (kicker) ist die witzige Seite geblieben. „Ich habe immer ein Lächeln auf den Lippen und lache gerne“, sagte er, „ich versuche, keine Rolle zu spielen, ich bleibe ich selbst. Ob es dir gefällt oder nicht, ist mir egal!“ So viel Arroganz darf noch sein.

Woher der Wandel? Er spricht von einem „Lernprozess“ nach „sehr schwierigen Zeiten“, vor allem beim FC Barcelona. Im September 2022 ist Dembélé Vater einer Tochter geworden. Auf dem Platz hilft ihm die nach den Abgängen der Stars Lionel Messi, Neymar und Mbappé junge und auf ihn zugeschnittene Mannschaft ebenso wie der Spielstil und seine neue Rolle.

In Königsklasse und Ligue 1 bringt es Dembélé alle 94 Minuten auf ein Tor, sein mit Abstand bester Karrierewert – im Vorjahr lag er bei 491 (!) Minuten. „Ousmane“, betonte Trainer Luis Enrique, „das sind nicht nur Tore, es ist viel komplizierter…“ PSG spielt das intensivste Pressing Europas, im extrem laufbetonten Ansatz hat er eine Schlüsselrolle.

Das zahlt sich auch in Toren aus. Mitte Dezember bis Mitte März traf er in 20 Pflichtspielen 25-mal, im Achtelfinal-Rückspiel der Champions League erzielte er den elementar wichtigen Treffer zum 1:0 in Liverpool. Die Disziplinlosigkeiten hat er aber nicht komplett abgestellt – Enrique bestrafte ihn dafür, als er ihn in der Vorrunde nicht für das Arsenal-Spiel berücksichtigte. „Das ist die beste Entscheidung“, sagte der Coach, „die ich dieses Jahr getroffen habe.“ Weil sie Dembélé anstachelte.

Zuletzt ist dem Franzosen ein bisschen das Pulver ausgegangen, Dembélé traf in den jüngsten sieben Partien nur zweimal, Paris gewann nur eine der vergangenen vier Begegnungen. Reicht es gegen Arsenal mit Freistoßmagier Declan Rice? Zumindest wissen die Kontrahenten von der Insel, wie man PSG in dieser Saison besiegen kann. Im Aufeinandertreffen in der Gruppenphase bezwangen die Gunners Paris mit 2:0. „Das Ziel ist“, sagte Dembélé, „die Saison so spät wie möglich zu beenden.“ Mit dem Finale am 31. Mai in München – ohne Brille.
SID

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