DFB rückt in den Fokus

von Redaktion

Frankfurt am Main – Wenn alles nach Plan läuft, darf Theo Zwanziger am Mittwoch den „heißen Stuhl“ räumen. „Sie sind dann Öffentlichkeit – das heißt, Sie müssen hinten sitzen“, belehrte die Vorsitzende Richterin Eva-Marie Distler den früheren Präsidenten des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) zuletzt über den weiteren Verlauf des Sommermärchen-Prozesses. Doch obwohl nach über einem Jahr der dritte und letzte Beschuldigte die Anklagebank wahrscheinlich verlassen wird, geht das Verfahren weiter. In den Fokus rückt nun der DFB.

Falls Zwanziger wie erwartet eine Geldbuße akzeptiert und es damit zur Einstellung des Verfahrens gegen ihn kommt, wird der Verband als „juristische Person“ im Prozess um die dubiosen Zahlungsflüsse rund um die WM 2006 vor dem Landgericht Frankfurt/Main vom bisherigen „Nebenbeteiligten“ zum Angeklagten. Die Staatsanwaltschaft hat den entsprechenden Antrag für ein Bußgeldverfahren bereits angekündigt, um so ein Urteil gegen den DFB zu erwirken.

Am Montag bestätigte ein Sprecher des Landgerichts die Einstellung des Verfahrens gegen den anfangs ebenfalls angeklagten Horst R. Schmidt. Der frühere DFB-Generalsekretär muss eine Geldbuße in nicht genannter Höhe zahlen. Bereits im vergangenen Jahr kam der ehemalige DFB-Boss Wolfgang Niersbach mit einer Strafe von 25.000 Euro davon. Distler deutete am zurückliegenden Verhandlungstag das weitere Prozedere an. Sobald Zwanziger entlassen sei, werde das Verfahren gegen den DFB e.V. fortgeführt. Im Juni könnte das Verfahren dann endgültig enden.

Für das Gericht steht schließlich schon seit längerer Zeit fest, wofür die ominösen 6,7 Millionen Euro, die vom DFB als Ausgabe für eine nie stattgefundene WM-Gala deklariert wurden, verwendet worden sind: Demnach handelte es sich um eine von WM-Chef Franz Beckenbauer im Dienste des DFB veranlasste Schmiergeldzahlung an einen oder mehrere Mitglieder der damaligen FIFA-Finanzkommission um Skandalfunktionär Mohamed bin Hammam. So wollte man sich den am Ende tatsächlich gewährten FIFA-WM-Zuschuss in Höhe von 170 Millionen Euro sichern.
SID

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