Um das intellektuelle Niveau dieser Debatte zusammenzufassen: Mario Basler und andere TV-„Experten“ fordern, dass Antonio Rüdiger wegen seiner Beleidigungen und seines Tape-Wurfs in Richtung des Schiedsrichters nicht mehr für die Nationalmannschaft auflaufen darf. Dafür muss und wird er vom spanischen Verband gesperrt werden.
Dass aber ausgerechnet bei Rüdiger die Debatte geführt wird, ob ein Fehlverhalten im Verein auch eine Suspendierung beim DFB nach sich ziehen sollte, ist bemerkenswert. Diese Konsequenz gab es nämlich nur 1974 im Falle Erwin Kremers, danach nie wieder – obwohl es genügend Anlässe gegeben hätte: Rüdigers DFB-Vorgänger haben ihren Gegenspielern ins Ohr gebissen (Kahn), in eine Hotel-Lobby (Großkreutz) und gegen eine Werbebande gepinkelt (Lehmann), sind ohne Führerschein gefahren (Reus) oder haben ihrem Mitspieler eine Ohrfeige gegeben (Podolski).
Keinem dieser Spieler drohte danach eine Suspendierung vom DFB. Bei Rüdiger wird aber jeder Zeigefinger zum IS-Gruß und seine Aussetzer zum Staatsakt stilisiert. Julian Reichelt und die AfD fahren seit Monaten eine Kampagne gegen ihn und versuchen, ihn als Repräsentanten der Nationalelf zu diskreditieren. Man sollte sich auch in dieser Frage nicht von ihnen treiben lassen.