München – Wenn der FC Bayern – aller Voraussicht nach am kommenden Samstag um kurz vor 17.30 Uhr – als Deutscher Meister der Saison 2024/25 feststeht, gibt es viele Geschichten zu erzählen. Die des besiegten Titelfluchs von Harry Kane wird eine davon sein, dazu jene des 33. Titelgewinns von Dauerbrenner Thomas Müller und der ersten Meisterschaft von Jonas Urbig, Minjae Kim oder Hiroki Ito. Über Josip Stanisic, so viel kann man jetzt schon erahnen, wird nach einem normal verlaufenden Spiel nicht allzu viel geredet werden. Dabei ist die Story des jungen Mannes, der im Vorjahr in Leverkusen spielte, gar nicht schlecht. Denn immerhin ist Stanisic der einzige Profi im Kader von Vincent Kompany, der den Meistertitel heuer verteidigen kann.
Sein Zutun auf dem Platz wirkt dabei gering. 19 Prozent Startelfquote sind für den Verteidiger verzeichnet, nur 23 Prozent der möglichen Spielminuten hat Stanisic in den Knochen. Aber ein Blick auf die persönliche Saison des kroatischen Nationalspielers relativiert die nackten Zahlen schnell. Zum einen, weil Stanisic die gesamte Hinrunde wegen seines Außenbandrisses im Knie verpasste und den Trainingsrückstand bis in den Januar aufholen musste. Und zum anderen, weil er gerade in den letzten Wochen, als die Abwehr nach den Ausfällen von Dayot Upamecano, Hiroki Ito und Alphonso Davies immer stärker dezimiert wurde, als Allzweckwaffe unverzichtbar war. Eigentlich auf der rechten Seite zuhause, ist Stanisic aktuell eine Mischung aus Links- und Innenverteidiger. Und ganz sicher ist er einer derjenigen Spieler, die Chef-Teamsprecher Thomas Müller nach dem 3:0 (2:0) am Samstag gegen Mainz explizit hervorhob.
„Wenn man überlegt, wer so im August vermeintlich für die Startelf vorgesehen war und wer dann am Ende in den entscheidenden Wochen die Kohlen aus dem Feuer holt – das sind schon andere Spieler“, sagte der 35-Jährige. Die „signifikanten Ausfälle“ hätte man vor allem auffangen können, weil „alle ihren Job“ machen würden: „Das klappt in den letzten Wochen sehr gut. Man kann sich auf jeden verlassen.“ Der große Wurf in der Champions League gelang zwar nicht, in der Liga allerdings ließen die Bayern auch dezimiert auf dem Weg zum ersten Titel seit 2023 nichts anbrennen.
Stanisic gilt dabei aktuell als Paradebeispiel. Er macht seine Sache unauffälliger als Konrad Laimer auf der rechten Seite – bis auf ein Assist beim 2:2 gegen Dortmund ist auf dem Papier kein Ertrag verzeichnet. Aber er agiert dort, wo er gebraucht wird, meist souverän und abgeklärt. Mehrfach schon musste er während der 90 Minuten von links nach innen wechseln. Aber auch dort zeigte er, warum die Bosse ihn in der kommenden Saison als festen Kaderbestandteil mit Stammspieler-Potenzial sehen. Wozu er zu Leisten imstande ist, hat er ja in Leverkusen schon bewiesen. 38 Einsätze und zehn Torbeteiligungen sind aus der Spielzeit protokolliert, in der laut Stanisic „ein neuer Josip entstanden ist“. Der, der seinen Titel verteidigt.
H. RAIF, P. KESSLER, V. TSCHIRPKE