Einmal Löwe, immer Löwe: 1860-Fan Rainer Maria Schießler (li.) leitet am Donnerstag den Gedenkgottesdienst für den verstorbenen Löwen-Helden Werner Lorant. © Sampics; Imago
Löwen-Kult-Trainer Werner Lorant – ab Mittwoch liegt am Trainingsgelände ein Kondolenzbuch aus. © IMAGO/Wagner
München – Eine Frage war früh beantwortet im Leben von Rainer Maria Schießler. „Ich bin in Laim aufgewachsen, da waren sie alle blau. Ich wäre ja blöd gewesen, wenn ich kein Blauer geworden wäre“, erzählt der 64-Jährige über seine ersten Berührungspunkte mit dem TSV 1860. Am Donnerstag (1. Mai) wird der Pfarrer durch den Gedenkgottesdienst für die am Ostersonntag verstorbene Löwen-Legende Werner Lorant leiten. Los geht es in der Pfarrkirche Sankt Helena um 10 Uhr, rund 1500 Personen finden in der Kirche Platz.
Dass der Verein auf Schießler zugekommen ist, ist kein Zufall. Die Liebe des bekannten Pfarrers zum TSV 1860 hat dieser schon häufig kundgetan. 2019 beerdigte er auch Meisterlöwe Wilfried Kohlars. Angesprochen auf die bevorstehende Lorant-Trauerfeier betont Schießler: „Es ist für mich eine große Ehre!“ Zum Ablauf der Messe – „klassische katholische Eucharistiefeier“ – kann der Geistliche nicht viel sagen, auch der Verein gab noch nicht bekannt, wer in der Kirche sprechen wird.
Wie viele andere Löwenfans auch kannte Schießler Lorant nicht persönlich, kann aber dennoch viel erzählen vom Kulttrainer, der 1860 von der Bayernliga bis in den Europapokal führte: „Denke ich an ihn, kommt mir sofort der phänomenale Aufstieg unter dem Duo Wildmoser/Lorant in den Kopf. Es waren glorreiche Zeiten. Lorant war als Trainer und Mensch sehr, sehr wichtig für unseren Verein.“
Angesprochen auf die prägendste Lorant-Anekdote grübelt Schießler kurz. Und erklärt dann: „Es gibt etwas, das ist wichtiger als jeder Spruch von ihm. In den letzten Jahren hat Werner Lorant Kinder trainiert in Waging am See.“ Nicht alle Menschen seien zunächst begeistert gewesen: „Die Leute waren skeptisch, ob ´Werner Beinhart´ überhaupt Kinder trainieren kann. Doch er ist wahnsinnig liebevoll gewesen. Da hat man überhaupt erst gesehen, was für einen weichen Kern Werner Lorant hatte. Darüber werde ich am Donnerstag auf alle Fälle sprechen.“
Schon vor Donnerstag haben Löwenfans die Möglichkeit, ihrer Trainer-Ikone zu gedenken. Der TSV 1860 gab am Montagmorgen bekannt: „Ab Mittwoch, 30. April um 9 Uhr, wird am Trainingsgelände ein Kondolenzbuch ausliegen, das den Hinterbliebenen übergeben wird. In das Kondolenzbuch können sich trauernde Löwen-Fans am Mittwoch und Freitag von 9 bis 17 Uhr sowie am Spieltag von 9 bis 13 Uhr eintragen. Am Donnerstag wird das Kondolenzbuch in der Pfarrkirche aufgestellt sein.“ Zudem werden die Sechzger gegen Essen (Samstag, 14 Uhr) – Lorant lief zwischen 1973 und 1977 als Spieler für RWE auf – wie bereits bei der 0:1-Niederlage in Rostock mit einem Trauerflor auflaufen. Vor dem Anpfiff wird es im Grünwalder Stadion eine Schweigeminute für die 1860-Legende geben.
Darüber hinaus wird es am Samstag ein limitiertes Werner-Lorant-Shirt (18,60 Euro) im Fanshop zu kaufen geben. Gut möglich, dass sich dann auch Pfarrer Schießler ein Exemplar sichern wird.
MARCO BLANCO UCLES