Was Berlin hat – und München nicht

von Redaktion

Zwei Eishockey-Clubs im Vergleich: Dem EHC fehlen die Spitzenspieler

Kurve nach unten: Ex-NHL-Spieler Butcher (EHC). © IMAGO

Bester Spieler der Liga: Ty Ronning (Berlin). © IMAGO

München – Wird die Deutsche Eishockey Liga (DEL) in den kommenden Jahren langweiliger, sind die nächsten Titel für die Eisbären Berlin nach ihrer Dominanz-Show im Finale 2025 gegen die Kölner Haie mit summa summarum 27:3 Toren nur noch Formsache? Das muss nicht sein. In der Hauptrunde über 52 Spiele waren die Berliner lediglich Zweiter hinter Ingolstadt, das die Duelle klar gewann (Siege von 4:0, 6:1 und 3:1 bei einer 2:4-Niederlage), auch der EHC Red Bull München als Fünfter hat eine fast ausgeglichene Bilanz (4:1 und 3:2 nach Verlängerung, dazu zwei 2:3-Heimniederlagen). Die Eisbären, so meint Verteidiger Fabio Wagner, der von Ingolstadt nach München wechselt, „haben in den Playoffs einfach noch einen Schritt nach vorne gemacht“. Sie spielten sich in einen Flow, wie er in der DEL-Geschichte beispiellos ist, aber eben nicht die Norm. Mit Nationalmannschafts-Stammverteidiger Wagner will München die Lücke zu Berlin schließen, der aus Salzburg kommende Phillip Sinn meint: „Wenn ich unsere Namen sehe, dann haben wir das Zeug dazu, Meister zu werden.“ Doch hat der EHC das wirklich drauf? Unsere Analyse zeigt: Berlin ist den Münchnern in wichtigen Punkten voraus.

Spitzenspieler: Der EHC muss sich eingestehen: Könner wie Ty Ronning (98 Scorerpunkte) und Leo Pföderl (89) hat er nicht in seinem Kader. Die Torgefahr kam fast nur aus einer Reihe (DeSousa 54 Punkte, Hirose 47, Ehliz 38), bei den Eisbären führte mit Marcel Noebels ein Star der DEL den vierten Sturm an. Auch der mit Abstand beste deutsche Verteidiger in der DEL, Kai Wissmann, spielt für Berlin.

Altersstruktur: Die meisten Berliner Spieler sind in den Zwanzigern. Für die Kontingentstellen wurden Akteure gefunden, bei denen die Karrierekurve noch nicht nach unten zeigt, sondern die noch besser werden – wie Ty Ronning (27) oder der Brite Liam Kirk, der mit 24 zu den Eisbären kam. Das Scouting-Netzwerk der wie die Los Angeles Kings zur Anschutz Entertainment Group gehörenden Eisbären ist besser als das der Münchner, die schön länger keinen neuen aufregenden Spieler in die Liga gebracht haben. Die Hoffnung des EHC: Ryan Murphy aus Salzburg möge ein solcher sein.

Torhüterarbeit: Sebastian Elwing ist der beste Torwarttrainer der DEL. Er baute mit Jake Hildebrand und Jonas Stettmer, der erst vor zwei Jahren sein erstes DEL-Spiel machte, das beste Tandem auf. München muss sich auf Mathias Niederberger verlassen (in Berlin wurde auch er von Elwing trainiert). Beim EHC bildete sich unter dem stets gelobten Patrick Dallaire keine zweite Kraft heraus, der man vertraut hätte (Fießinger, Allavena, Kolarz). Auch Simon Wolf, derzeitige Nummer zwei, bekam zu wenig Einsätze.

Nachwuchs: Ist Red Bull da nicht die Benchmark? Die Akademie in Liefering bildet fleißig aus, doch der EHC hat wenig davon. Entweder sind die Spieler zu gut für die DEL und sie wechseln wie JJ Peterka und Maksymilian Szuber nach Nordamerika – oder sie landen bei der nationalen Konkurrenz: 21 ehemalige Red-Bull-Zöglinge spielten 2024/25 in den anderen DEL-Clubs. Bei den Eisbären stammen wesentliche Teile des deutschen Kerns (Wissmann, Jonas Müller, Eric Hördler, Eric Mik oder der als Junior aus Germering geholte Korbinian Geibel) aus eigener Schmiede.
GÜNTER KLEIN

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