Am Ende ging also doch alles ganz schnell. Seit Mittwoch ist offiziell: Die Ära von Marko Pesic als Gesicht des FC Bayern-Basketball wird in einigen Monaten zu Ende gehen. Und auch wenn die Verantwortlichen schnell betonten, dass der 48-Jährige dem Verein ja nicht ganz abhandenkommen wird – natürlich wird der Wechsel eine Zäsur.
Die neue Führung wird breiter, was bisher auf Pesic konzentriert war, verteilt sich zukünftig auf zwei Personen. Und die neue Bayern-Spitze wird stiller. Keine Frage, dem neuen Frontmann Dragan Tarlac eilt aus seiner serbischen Heimat, wo er unter anderem für Roter Stern Belgrad und den serbischen Verband aktiv war, ein guter Ruf voraus. Aber der 51-jährige Ex-NBA-Spieler präsentierte sich in seinem ersten Jahr als Bayern-Manager als zurückhaltender, stiller Arbeiter.
Dass er in der Szene der BBL ein weitgehend unbeschriebenes Blatt ist, muss nicht unbedingt ein Nachteil sein. Sein streitbarer Vorgänger rieb sich immer wieder an der deutschen Liga auf, die sich mit bemerkenswerter Orientierungslosigkeit müht, Europas beste Basketball-Spielklasse zu werden. Vielleicht bringt eine neue, ganz andere Stimme ja Bewegung in die oftmals eingefahrenen Debatten.
Und von denen wird es viele geben. Allen voran die drängendere Frage, wie sich der nationale und der internationale Betrieb zukünftig besser abstimmen lassen. Erinnert sei an MBC-Geschäftsführer Martin Geissler, der die Münchner Klagen über einen vorverlegten Spieltermin nur gut 40 Stunden nach einer intensiven Schicht in Europa abtat, die Bayern sollten „nicht so viel über die Euroleague nachdenken“. Nicht zu vergessen der wilde Spielplan in den vergangenen Wochen rund um Hauptrundenende und Play-Ins in der Königsklasse, der im krassen Gegensatz etwa zur Adria-Liga stand, die sogar ein Ligaspiel von Bayern-Gegner Roter Stern Belgrad absetzte.
Ein solches Denken an möglichen Erfolg in Europa ist im Denken der BBL bislang so gar nicht vorgesehen. Daran ändert auch nichts, dass angesichts von vier internationalen Wettbewerben inzwischen die halbe Liga nebenbei auch jenseits der Grenzen engagiert ist. Aber es wird sich ändern müssen, wenn man bei der Vergabe der Trophäen nicht dauerhaft Zuschauer sein will. Zumindest Marko Pesic ist dieses Problem bald los. patrick.reichelt@ovb.net