ZUM TAGE

Der Meister auf Konfrontation

von Redaktion

Ärger bei den Fußball-Frauen

Christian Wück versichert ziemlich glaubhaft, sein erstes Turnier mit der deutschen Frauen-Nationalmannschaft kaum erwarten zu können. Bei der EM in der Schweiz (2. bis 27. Juli) richtet sich das öffentliche Brennglas auf Trainer und Team. Das Interesse wächst, das 45. DFB-Pokalfinale zwischen dem FC Bayern und Werder Bremen (4:2) diente auch für ihn als Beleg dafür. Die Atmosphäre war stimmungsvoller denn je.

Doch auch auf Wück warten Reifeprüfungen. Sein Halbzeitinterview in der ARD geriet zum Kontrastprogramm der ansonsten so guten Laune. Da ist zum einen das öffentliche Tauziehen um eine EM-Teilnahme der immer noch im Aufbautraining befindlichen Lena Oberdorf. Seit sich Deutschlands beste Fußballerin im 16. Juli 2024 im EM-Qualifikationsspiel gegen Österreich das Kreuzband gerissen hat, bestritt der Stareinkauf der Bayern noch kein einziges Spiel. Stand jetzt, sagte Bayerns Direktorin Bianca Rech, könne die 23-Jährige keine EM bestreiten, weil sie noch nicht mal ein Mannschaftstraining voll durchhalte. Einerseits nachvollziehbar.

Andererseits entgegnete Wück, dass es bis zum ersten EM-Spiel gegen Polen (4. Juli) noch eine Weile hin sei. „Es wäre fahrlässig, wenn wir jetzt schon die Tür zumachen würden. Acht Wochen in einer Rehaphase können unheimlich viel ausmachen.“ Wück will den Brückenbauer spielen. Ihr Arbeitgeber würde am liebsten heute schon die EM-Teilnahme untersagen. Bereits beim seltsamen Abstellungsstreit vor der WM 2023 in Australien hat der Club vor allem an sich gedacht. Auch jetzt kommt es wieder zu einem bayrischen Alleingang, wenn die Doublesiegerinnen nach Ende der Frauen-Bundesliga (11. Mai) noch beim Showevent World Sevens Football (W7F) Turnier in Estoril (21. bis 23. Mai) teilnehmen.

Erstaunlich: Der Bundestrainer wird erst am 19. Juni seinen Kader für die EM in einem Trainingslager in Herzogenaurach versammeln. Verdammt wenig Zeit, wo doch das Gerüst noch nicht mal steht. Eigentlich wäre im Terminkalender genügend Zeit für eine ausgedehnte Vorbereitung, wie sie der Gastgeber Schweiz und andere Nationen betreiben. Angeblich müssen die Protagonisten auch mal abschalten. Dabei ist die Wahrheit doch, dass die besten deutschen Fußballerinnen in diesem Frühjahr – auch bedingt durchs frühe Champions-League-Aus der Bayern und des VfL Wolfsburg – eher zu wenig als zu viel gespielt haben.

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