Die Schüller-Show

von Redaktion

Bayerns Heldin beendet Pokalfluch und nimmt EM ins Visier

Die pure Freude im Gesicht: Dreierpackerin Schüller beendete nach drei verlorenen Pokalfinals ihren persönlichen Pokalfluch auf beeindruckende Art und Weise. © IMAGO

München – Für Lea Schüller war die Erlösung im Kölner Konfettiregen besonders groß. Denn mit dem Gewinn des DFB-Pokals und des Doubles endete nicht nur die seit 2012 andauernde Durststrecke der Frauen des FC Bayern in dem Wettbewerb, sondern auch der persönliche Pokalfluch der Mittelstürmerin, der im Finale 2014 begann.

Mit der SGS Essen verlor sie gegen den 1. FFC Frankfurt, die damals 16-Jährige wurde eine Viertelstunde vor Schluss eingewechselt. Sechs Jahre später stand Essen wieder im Endspiel, Schüller brachte die Außenseiterinnen gegen Wolfsburg nach zwölf Sekunden in Führung und traf auch im Elfmeterschießen. Die SGS verlor dramatisch, Schüller wechselte im Anschluss nach München und kassierte mit den Bayern-Frauen im vergangenen Jahr gegen Wolfsburg ihre dritte Finalniederlage.

Am Donnerstag entlud sich der ganze Pokalfrust eindrucksvoll, gleich dreimal „schüllerte“ es beim 4:2-Sieg über Werder Bremen. „Ich bin einfach überglücklich über die Tore, über den Sieg und dass wir jetzt endlich den Pokal gewonnen haben“, sagte die 27-Jährige nach dem Triumph.

Für Schüller war das Finale der Höhepunkt einer Saison, die schwierig begonnen hatte. Von den Olympischen Spielen im vergangenen Sommer war sie mit der Bronzemedaille, aber auch mit anhaltenden Knieproblemen zurückgekehrt. Auf ihre übliche Torquote kam sie nicht, immer wieder wurde Schüller ein- oder ausgewechselt. Erst in der Schlussphase der Saison traf sie wieder regelmäßig, in den letzten vier Bundesligaspielen erzielte sie jeweils ein Tor. „Immer, wenn die Crunchtime kommt, dann schießt sie wichtige Tore“, lobte Trainer Alexander Straus.

Unter dem Norweger, der den FC Bayern im Sommer verlassen wird, hatte sich Schüller in den vergangenen drei Jahren von der reinen Strafraumspielerin zur mitspielenden Mittelstürmerin entwickelt. Regelmäßig lässt sie sich etwas tiefer fallen und glänzt so auch als Vorbereiterin. „Ich habe sehr viel von Alex gelernt. Er hat auf mich gebaut. Ich finde es schade, dass er geht“, so Schüller.

Am Donnerstag wurde aber noch mal ordentlich gemeinsam gefeiert. „Nach der Meisterschaft wussten wir, dass wir drei Tage später das Pokalfinale spielen. Da sind wir alle Profi genug, dass wir uns nicht abschießen. Heute sieht das anders aus“, sagte die schnelle und kopfballstarke Stürmerin vor Beginn der Party. Die beiden eigentlich bedeutungslosen Bundesligaspiele gegen Jena und Essen will Schüller trotzdem nicht abschenken, sondern als Vorbereitung auf die Europameisterschaft im Juli mit dem DFB-Team nutzen.

Bislang stand sie bei großen Turnieren immer im Schatten von Alexandra Popp, nun reist sie in Topform zur EM in die Schweiz. „Gerade fühle ich mich richtig fit, also ich freue mich auf die EM“, schwärmte die strahlende Matchwinnerin nach Abpfiff vorausschauend. Ebenso vergnügt dürfte daher auch Bundestrainer Christian Wück als Tribünengast in Köln die Schüller-Gala vor der schwierigen Titelmission in der Schweiz (2. bis 27. Juli) verfolgt haben. Und die Stürmerin selbst wird mit der Hoffnung anreisen, ein weiteres Mal im Konfettiregen zu stehen.
CHRISTIAN STÜWE

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