Die Spiele im Blick: Herbert 2024 in Paris. © IMAGO
München – Es sind bewegte Tage bei den Basketballern des FC Bayern. Am Mittwoch machte der Club den nahenden Ausstieg von Langzeit-Geschäftsführer Marko Pesic öffentlich. Einen Tag darauf gab Kanadas Basketball-Verband bekannt, dass Bayern-Coach Gordon Herbert ab 2026 die sportlichen Geschicke unter dem Ahornblatt lenken wird.
Das kommt prinzipiell nicht wirklich überraschend. Der 66-Jährige hatte schon vor seinem Amtsantritt im BMW Park angekündigt, dass er damit liebäugelt, zum Abschluss seiner Karriere noch einmal eine Nationalmannschaft zu trainieren. Dass man ihm nun ausgerechnet die sogenannte goldene Generation seines Heimatlandes auf dem Weg zur WM 2027 und Olympia 2028 anvertraut, macht die Sache umso besser. „Es ist eine große Ehre für mich“, sagte Herbert, der am Sonntag (15 Uhr) mit den Bayern gegen Absteiger Göttingen den nächsten Schritt in Richtung Hauptrundenmeisterschaft machen will.
Was überrascht ist der Zeitpunkt der Bekanntgabe, den auch Herbert selbst eher als Kommunikationspanne einordnete („Hätte womöglich besser gehandled werden können“). Wobei die Bayern grundsätzlich schon seit längerem über das Interesse aus Übersee informiert gewesen seien. Das aktuelle Engagement des Weltmeister-Trainers in München ist von der kanadischen Offerte allerdings ohnehin unberührt – sein Vertrag läuft nach der kommenden Saison aus.
Was nicht automatisch Herberts Abschied von den Bayern bedeuten muss. Zumindest schloss der Trainer-Veteran ausdrücklich auch eine Doppelfunktion nicht aus. „Der Job in München erfüllt mich extrem, mir wird hier großer Respekt entgegengebracht“, betonte er, „ich habe ebenso große Lust darauf, so lange mit diesem Club zusammenzuarbeiten, wie es mir möglich sein wird.“
Herbert hatte ja auch in seiner Zeit als deutscher Bundestrainer zwischenzeitlich ein zusätzliches Engagement beim französischen Euroleague-Club ASVEL Villeurbanne angestrebt – das Vorhaben scheiterte am Widerstand des Deutschen Basketball Bundes (DBB), der eine Doppelfunktion seines Chefcoachs ablehnte. Andernorts sieht man derlei Vorhaben weniger eng. Der Italiener Luca Banchi etwa trainiert neben Efes Istanbul auch die lettische Nationalmannschaft. Sein Landsmann, Spaniens Erfolgscoach Sergio Scariolo trainierte bis zum vergangenen Jahr auch Virtus Bologna. Herbert allerdings hätte dann unter anderem auch zwei Länderspielfenster während der Saison mit Trips nach Nordamerika, die er mit den Verpflichtungen bei den Bayern koordinieren müsste.
Leicht vorstellbar, dass vor allem die Olympischen Spiele in Los Angeles den Bayern-Coach locken. Für ihn würde sich im kanadischen Nachbarland ein Kreis schließen. Denn: In der kalifornischen Metropole war er 1984 selbst noch als Spieler unter den fünf Ringen am Start. Ein Ereignis, an das er allerdings trotz des Halbfinaleinzugs persönlich nur bedingt gute Erinnerungen hat. „Ich denke, ich war als Eishockeyspieler besser als im Basketball“, sagte er einmal. Immerhin: dieses Problem hätte er bei einer Rückkehr 2028 nicht mehr.
PATRICK REICHELT