1860-Coach Patrick Glöckner will in der Tabelle noch ein paar Plätze klettern: © IMAGO/Feiner
München – Ein stolz lächelnder Radi, der die Meisterschale in den Himmel hält – so sieht sie aus, die liebevoll gestylte Dauerkarte, mit der der TSV 1860 das nächste große Jubiläum würdigt: „60 Jahre Deutscher Meister“ (Aufdruck). Seit Dienstag können sich Löwen-Fans tickettechnisch auf die Spielzeit 2025/26 einstimmen, die bereits achte in der 3. Liga. Drei Spiele stehen noch an in der alten Saison, das erste am Samstag zu Hause gegen Rot-Weiss Essen (14.03 Uhr). Ein Traditionsduell, wie passend. Es fügt sich wunderbar ein in diese von Nostalgie geprägten Wochen.
Speziell die älteren Löwen-Fans werden in diesen Tagen emotional getriggert, angefangen bei der Würdigung des verstorbenen Kulttrainers Werner Lorant: Trauergottesdienst am Donnerstag, Schweigeminute vor dem Anpfiff gegen Essen, das Team mit Trauerflor. Bis hin zu einem bunten Abend, mit dem am Mittwoch, 14. Mai das verlorene Europapokalfinale gegen West Ham gefeiert wird, stilecht mit drei der noch lebenden Meisterlöwen (Fredi Heiß, Hansi Reich, Bernd Patzke). Tickets für das Wembley-Revival in der Sechzger-Alm gibt es zu 15 Euro rund um das Essen-Spiel an diesem Samstag (u.a. im Bamboleo). Inkludiert ist ein limitierter „60 Jahre Wembley“-Pin – und viel Vorfreude auf einen Abend, an dem einer der Höhepunkte der Vereinsgeschichte, eine 0:2-Niederlage vor 98 000 Zuschauern im Londoner Kulttempel, visuell nacherzählt wird.
Bei so einer schillernden Vergangenheit muss sich die Gegenwart gewaltig strecken, um in Sachen Emotionen ansatzweise mitzuhalten. Sportlich ist die Luft raus aus einer Saison, die schwach begann, in der Rückrunde unter Patrick Glöckner noch mal Fahrt aufnahm – und seit dem 0:1 in Rostock nur noch Behelfsziele bereithält. Zum Beispiel: Gelingt es, die Saison als bester bayerischer Drittligist abzuschließen (also vor Ingolstadt)? Glöckner sagte am Freitag: „Es ist nicht so, dass wir die Saison auslaufen lassen. Wir wollen Punkte machen und möglichst noch viele Plätze vorankommen.“ Zudem gehe es darum „dass wir in unserem heimischen Stadion den Fans etwas bieten wollen“. Auch ohne den gesperrten Jacobsen und den verletzten Schröter. Dafür erstmals seit dem Rückrundenstart mit dem jungen Sechser Samuel Althaus im Kader. Glöckner stellte klar: „Wir sind nicht gewillt, nachzulassen!“
Spannender als das Ergebnis am Samstag ist aber die Frage, mit welchem Personal es ab Sommer bei 1860 weitergeht. Laut dem Transferinsider „Plettigoal“ wird Marco Hiller die Löwen am Saisonende verlassen. Ein bislang unbestätigtes Gerücht. Was den Trainer angeht, brachte die Presserunde am Freitag keine neuen Erkenntnisse. Auf Nachfrage unserer Zeitung sagte Glöckner: „Wir sind weiter in Gesprächen.“ Je schneller man sich einig werde, „desto besser. Wir wollen am selben Strang ziehen.“
Klarheit herrscht seit Freitag immerhin über den sogenannten Sommerfahrplan. Über seine Social-Media-Kanäle verkündete der Verein den Tag des Vorbereitungsstarts (22. Juni), die ersten Testspielgegner (Grafenau/28.6., Weyarn 29.6., Bamberg 4.7., Liberec 11.7.), Termin und Ort des Trainingslagers (6. bis 13. Juli in Ulrichsberg/Oberösterreich) sowie den Tag des Fanfests: Sonntag, 20. Juli – kurz vor dem Start in die neue Saison (1. August).
Fehlen nur noch der Name des Cheftrainers, der eine oder andere Neuzugang und ein offizielles Saisonziel. Aufstieg 2026 würde sich als Parole anbieten. Meisterjubiläum hin, Wembley-Nostalgie her – aus Fan-Sicht wird es höchste Zeit für neue Emotionen.
ULI KELLNER