Ist jetzt wirklich alles gut?

von Redaktion

Bosse loben Bayern-Saison – Unsere Zeitung macht den Check

Drückend überlegen? Galt für die Bayern nur in der Liga. © IMAGO

Leipzig – Es wird langsam zum Running Gag: Wann immer Max Eberl nach einem Saisonfazit gefragt wird, verweist er auf die laufende Spielzeit. „Wenn wir Meister sind, gibt es das Fazit“, sagte er grinsend nach dem 3:3-Unentschieden in Leipzig, das de facto den Titel bedeutete. Alle, die auf eine ausführliche Eberl-Analyse warten, können sich bald darauf freuen. Immerhin konnten die Münchner am Sonntag vor dem Fernseher die 34. Meisterschaft feiern.

Herbert Hainer gab sich etwas euphorischer: „Wir haben immer gesagt, dass die Deutsche Meisterschaft der wichtigste Titel ist, weil man ihn sich über die ganze Saison erspielen muss. Wenn die Mannschaft ihn nun gewinnt, dann ist das mehr als verdient“, erklärte Hainer und ergänzte: „Natürlich wären wir gerne in der Champions League und im Pokal weitergekommen. Trotzdem hat die Mannschaft dieses gesamte Jahr viele, viele hervorragende Spiele geliefert und tolle Leistungen gezeigt“, so der FCB-Präsident. „Es war eine gute Saison.“

Da stellt sich die Frage: Stimmt das? Schließlich gilt die Meisterschaft tatsächlich als wichtigster und ehrlichster Titel. Damit aus einer guten eine sehr gute Saison wird, muss der Rekordmeister eigentlich auch in der Champions Legue um den Titel spielen – gerade bei einem Finale dahoam. Unsere Zeitung erklärt, woran es dabei in diesem Jahr haperte:

Kadertiefe: Wann immer der Rekordmeister in Bestbesetzung antrat, liefen elf Spieler mit internationaler Topqualität auf – nur war das aufgrund der vielen Verletzungen kaum der Fall. Gerade in der Abwehr machten sich die Ausfälle bemerkbar, Kim und Upamecano spielten eigentlich eine stabile Saison, hätten aber zwischendurch Pausen benötigt. Zur Wahrheit gehört aber auch, dass der FCB durch die Verletzungen von Josip Stanisic und Hiroki Ito die Backups für die Außen- und Innenverteidigung verlor – das war großes Pech.

Doppelsechs: Joshua Kimmich spielt statistisch die beste Saison seiner Karriere, trotzdem ist „seine“ Doppelsechs nicht frei von Kritik. Der DFB-Kapitän glänzt nämlich offensiv, hinterlässt dabei immer wieder Lücken vor der Abwehr, die seine Nebenmänner nicht schließen konnten. Sowohl Leon Goretzka als auch Aleksandar Pavlovic sind keine klassischen Abräumer, der dafür prädestinierte Joao Palhinha ist komplett außen vor.

Fehlende Abgezocktheit: Immer wieder wurden Führungen wie in Leipzig vergeben. „Wir hatten ein paar Spiele, wo wir in letzter Sekunde das Tor gekriegt haben. Wir hatten viele Spiele, wo wir die deutlich bessere Mannschaft waren, aber es nicht geschafft haben, das Spiel zu beenden“, legte Kimmich auch am Samstag den Finger in die Wunde. Gegen Inter wurde die mangelnde Chancenverwertung oder unzureichende Zuteilung bei Standards knallhart bestraft.

Ruhe: Das Aus von Thomas Müller sorgte für Unruhe, die Widersprüche in Finanzfragen ebenso. Der FC Bayern ist nach der Tuchel-Zeit demonstrativ um Geschlossenheit bemüht, das gelingt ihm aber immer noch etwas zu selten.

Fehleinkäufe: Nach Transfers wie von Sacha Boey (30 Mio. Euro) oder Joao Palhinha (50 Mio.) fehlt Geld in der Kasse – was zukünftige Einkäufe ebenso erschwert wie die Verlängerung mit Leistungsträgern, wofür diese Ablösen besser hätten verwendet werden können.
VINZENT TSCHIRPKE

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