Schon im Dezember war das Kapitel FC Bayern für Leroy Sané eigentlich beendet. In der Münchner Chefetage – wo die Meinungen bei Personalfragen häufig sehr konträr ausfallen – waren sich die Bosse damals einig: Sané hat keine Zukunft mehr in München. Es müsste schon etwas Außergewöhnliches geschehen, dass die Arbeitspapiere des 29-Jährigen doch noch verlängert werden.
Plötzlich suchte der ansonsten so scheue Bayern-Star bewusst die Kameras und TV-Mikrofone und sendete proaktiv „Ich-will-bleiben“-Aussagen in die Fußballwelt. Das hinterließ sowohl bei den Fans als auch den Verantwortlichen Eindruck. Als dann auch noch bekannt wurde, dass der Linksfuß Gehaltseinbußen im neuen Vertrag akzeptieren würde, schien eine Weiterbeschäftigung wieder realistischer. Und des Guten nicht genug, glänzte Sané in der Rückrunde als regelmäßiger Torschütze und Vorlagengeber.
Daher kamen Sportvorstand Max Eberl, Sané und dessen (Ex)-Berater Christian Schmid am vergangenen Wochenende über einen neuen Vertrag überein. Doch die finale Unterschrift fehlt nach wie vor, stattdessen lässt sich der Spieler plötzlich von der Berater-Agentur Go International Limited von Pini Zahavi vertreten.
Der bayerische Knallhart-Kurs ist mehr als nachvollziehbar
Für Sané und sein jetziges Management ist der bereits ausverhandelte Vertrag nichtig, für die Bayern-Bosse jedoch nicht: Entweder der Offensivspieler unterschreibt die neuen Arbeitspapiere zu den bisherigen Konditionen – oder er kann im Sommer seine Koffer packen. Eine Zehn-Tages-Frist verdeutlicht, dass mit den Münchner Managern bei dieser Thematik nicht zu spaßen ist.
Der bayerische Knallhart-Kurs ist mehr als nachvollziehbar, denn Sané und seine (neuen) Berater leiden an einer fatalen Selbstüberschätzung. Anders ist es nicht zu erklären, dass dem Spieler für seine Unterschrift plötzlich ein Handgeld vorschwebt, wie es Alphonso Davies, Joshua Kimmich und Jamal Musiala kassiert haben. Kleiner, aber feiner Unterschied: Das genannte Trio ist das Rückgrat der Mannschaft, Sané wird in den kommenden Jahren nicht über die Rolle des Edel-Ergänzungsspielers hinauskommen. Vor allem, wenn Offensivspieler wie Florian Wirtz den Kader verstärken sollten.
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