SNOOKER

Erst Wettskandal, dann Weltmeister

von Redaktion

Zhao triumphiert als „Amateur“ im Crucible

Zhao Xintong gewinnt als erster Asiate die WM. © Scarff/AFP

Sheffield – Ein wenig schüchtern hob Zhao Xintong den Deckel des Siegerpokals an und schaute nach, ob noch etwas in der riesigen Silber-Trophäe verborgen ist. Kurz zuvor hatte sich der 28-Jährige durch den 18:12-Finalsieg über Routinier Mark Williams zum ersten Snooker-Weltmeister aus China gekrönt. Und nein, es war nichts im Pokal. Einen ordentlichen Drink wollte sich Zhao später spendieren, und auch das Preisgeld von einer halben Million Pfund (rund 587 000 Euro) gibt es erst später für den zwischenzeitlich gesperrten neuen Star der Billard-Variante.

„Ich kann nicht glauben, dass ich so schnell Weltmeister geworden bin“, sagte er vor den 800 Fans im Crucible Theatre in Sheffield und blickte dabei auch auf seine 20-monatige Sperre zurück. Vor etwa zwei Jahren wurde er wie neun weitere chinesische Profis gesperrt. Er soll von Manipulationen eines anderen Spielers gewusst und selbst gewettet haben. Aufgrund der Sperre wurde ihm der Profi-Status entzogen, weswegen er sich bei der WM durch die Qualifikation kämpfen musste – kein Problem für Zhao, der im vergangenen September zurückkehrte und seitdem 47 von 49 Spielen gewann. Er wurde somit offiziell auch der erste Amateur in der Crucible-Ära (seit 1977).

Sein Landsmann Ding Junhui, der 2016 im Finale scheiterte, erklärte das Ausmaß des Triumphes in seinem Heimatland. Zhao habe gewonnen, was der gemeinsame Traum von Generationen von chinesischen Snookerspielern gewesen sei, schrieb Ding auf Weibo – dem chinesischen Pendant zu X. Zhao lebt seit 2016 in England und kann zu Fuß zum Snooker-Tempel gehen. Er möchte Kinder und Jugendliche daheim inspirieren: „Das wird ihnen jetzt Kraft geben. In der Zukunft können dies viele chinesische Spieler schaffen.“ Er entzauberte im Halbfinale den siebenmaligen Champion Ronnie O’Sullivan und nun den mit 50 Jahren ältesten Finalisten Mark Williams.
DPA

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