Leroy Sané, hier gestern im Training, kann das Vertragsangebot annehmen oder die Münchner nach der Saison verlassen. © Sampics/Matzke
München – Christoph Freund wirkte noch immer vor den Kopf gestoßen, als er auf den überraschenden Berater-Wechsel von Leroy Sané zu Pini Zahavi angesprochen wurde. „Das ist ein bisschen eine neue Situation mit einem neuen Berater. Wir führen schon länger Gespräche und werden sehen, was die nächsten Tage bringen“, sagte der Sportdirektor des FC Bayern und ergänzte: „Wir haben mit Pini Zahavi jetzt noch nicht verhandelt oder gesprochen.“
Dabei haben die Verantwortlichen intern bereits eine klare Vorgehensweise mit der neuen Situation beschlossen: Nach Informationen unserer Zeitung ist man sich an der Säbener Straße einig, das bereits ausgehandelte Vertragsangebot nicht nachzubessern. Das knallharte Ultimatum aus der Chefetage: Entweder Sané unterschreibt zu den ursprünglich Konditionen, oder er muss den Verein im Sommer verlassen!
Zur Erinnerung: Im Auftrag des 29-Jährigen hatte Christian Schmid von der Berater-Agentur 11WINS das aktuelle Angebot in enger Absprache mit dem Bayern-Kicker verhandelt. Der Vertragsentwurf lag bereits zur Unterschrift bereit, sämtliche Rahmenbedingungen waren geklärt: Sané sollte einen Dreijahresvertrag mit einem Grundgehalt von acht Millionen Euro und möglichen Prämienzahlungen von bis zu fünf Millionen Euro erhalten.
Dem Vernehmen nach hätte sich der Flügelspieler plötzlich doch mehr Geld in Form einer sogenannten Signing-Fee (Unterschriftsprämie) gewünscht – und Zahavi sollte auch diesbezüglich nachverhandeln. Doch mit diesem Vorhaben werden Sané und sein neuer Berater bei den Bayern-Bossen auf Granit beißen. Dabei gaben sich die Münchner Ober-Bosse um Präsident Herbert Hainer und CEO Jan-Christian Dreesen am Montag noch zuversichtlich. „Wir kümmern uns um den Spieler und Menschen Leroy Sané und nicht um den Berater. Wir haben in der Regel fast immer auch ein Übereinkommen mit Pini Zahavi getroffen“, meinte Hainer. Laut Dreesen sei bei den Verhandlungen nun Sportvorstand Max Eberl „zuvorderst gefragt, er macht das hervorragend, gemeinsam mit Christoph Freund“.
Das Theater um Sané erschwert der sportlichen Leitung freilich die Kaderplanung, vor allem die Besetzung der Flügelpositionen ist ein ständig diskutiertes Thema. Zumal hier großes Einsparpotenzial vorhanden ist. Neben dem Linksfuß zählen nämlich auch Kingsley Coman und Serge Gnabry zu den Top-Verdienern des deutschen Rekordmeisters – und zu möglichen Verkaufskandidaten im Sommer. Allerdings beabsichtigt das mit Top-Verträgen ausgestattete Duo nicht, den Münchner Vorzeige-Club zu verlassen, da es nach wie vor keine gleichwertigen Angebote gibt.
Sportvorstand Eberl steht also mal wieder vor einem kniffligen Transfer-Sommer, für seine bisherige Arbeit erhält er von Rekord-Nationalspieler Lothar Matthäus übrigens die Schulnote Drei minus. „In der Bewertung von Eberl geht es nicht nur um das Sportliche, sondern auch darum, wie er als Sportvorstand den Verein nach außen hin repräsentiert“, schreibt Matthäus in seiner Sky-Kolumne. Seine Aussagen über Leroy Sané am Samstag und Thomas Müller im Januar hätten „nach außen für große Verwirrung und im Verein für Unruhe gesorgt“. Nun ist Eberl gefordert, das Berater-Theater um Sané mit der richtigen Entscheidung zu befrieden. Die Zeichen stehen mehr denn je auf Trennung.
M. BONKE, P. KESSLER