Habemus Sinner!

von Redaktion

Dopingsperre vorbei: Rom feiert die Rückkehr seines Tennis-Helden

„Auf geht’s, Sinner – für immer!“ steht auf einem Fan-Plakat. © Iacobucci/IMAGO

Sinner schrieb fleißig Autogramme. © Fabi/AFP

6000 Fans strömten zu einem Showtraining von Jannik Sinner. Am Freitag schlägt er beim seinem Heimturnier auf. © IMAGO

Rom – Beseelt von der Liebe der italienischen Fans schrieb Jannik Sinner geduldig Autogramme und posierte für Selfies, zum Abschluss seines Showtrainings vor 6000 Zuschauern winkte der Tennisstar zufrieden ins Publikum. Pünktlich zu seinem Heim-Masters in Rom kehrt der Weltranglistenerste nach seiner dreimonatigen Dopingsperre auf die ATP-Tour zurück – die Euphorie um den Nationalhelden kennt in der Hauptstadt trotz seines dunklen Kapitels keine Grenzen.

„Ganz Rom, ganz Italien, erwartet ihn mit Herzklopfen“, hatte die „Gazzetta dello Sport“ geschrieben, den Südtiroler erwarte eine „königliche Rückkehr“. Kritische Stimmen in der italienischen Presse? Fehlanzeige. „Habemus Sinner“, hieß es stattdessen in Anspielung auf die Wahl des Papstes an, die nur wenige Kilometer entfernt beginnt. Habemus Papam wird verkündet, wenn weißer Rauch aufgestiegen ist: Wir haben einen Papst. Italiens Sport hat einen Sinner.

Sinner betont weiter seine Unschuld

In Italien scheint es keine Rolle zu spielen, warum Sinner seit seinem Triumph bei den Australian Open Ende Januar zum Zuschauen gezwungen war. „Ich bin sehr froh, wieder da zu sein. Es waren sehr lange drei Monate“, sagte Sinner, den die Gesamtsituation sehr belastet hatte. Die Sperre zu akzeptieren sei für ihn nicht leicht gewesen, weil er wisse, „was wirklich passiert ist. Aber manchmal müssen wir in einem sehr schlechten Moment das Beste wählen“, so Sinner.

Der dreimalige Grand-Slam-Sieger hatte sich nach zwei positiven Tests auf das verbotene Steroid Clostebol auf einen Vergleich mit der Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) geeinigt. Die WADA folgte Sinners Argumentation, wonach das Medikament unabsichtlich bei einer Behandlung durch seinen Physiotherapeuten in seinen Körper gelangt sei. Viele Profis echauffierten sich über eine vermeintliche Ungleichbehandlung und die milde Strafe, während seiner Sperre verpasste Sinner kein Major-Turnier, in der Weltrangliste blieb er unangetastet an der Spitze. Bei den French Open in Paris (ab 25. Mai) ist Sinner, der auch prominente Fürsprecher wie Rafael Nadal („Er ist zu 100 Prozent unschuldig“) hat, wieder dabei.

In Rom, wo Deutschlands Nummer eins Alexander Zverev als Titelverteidiger an den Start geht, schraubt der Dominator die sportlichen Ambitionen aber erst mal nach unten – auch wenn er anders als seine Konkurrenten ausgeruht an den Start geht. Doch nur einen seiner 19 ATP-Titel hat Sinner auf Sand gewonnen.

Ungewissheit vor Comeback

„Das ist ein Turnier mit sehr, sehr niedrigen Erwartungen für mich, auch was die Ergebnisse angeht“, sagte Sinner am Montag: „Was mir fehlt, ist das komplette Feedback, wo mein Level ist. Das wird mit der Zeit kommen, nach dem ersten Match werde ich ein gutes Bild von mir haben, wo ich stehe.“ Sein Comeback feiert Sinner voraussichtlich am Samstag gegen seinen Landsmann Federico Cina oder Mariano Navone (Argentinien). Dann wird ihm zumindest die Liebe der italienischen Fans wieder gewiss sein.

Für Deutschlands Tennisstar Alexander Zverev bringt das Ende der dreimonatigen Dopingsperre des Weltranglistenersten derweil eine bittere Erkenntnis mit sich: Sein Ziel, Sinner abzulösen, hat er klar verfehlt, 1645 Punkte beträgt sein Rückstand auf den Branchenführer. Sinners Comeback beim Masters in Rom bietet Zverev aber auch eine Chance: Im Schatten der Nummer eins kann er sich nach dem Achtelfinal-Aus in Madrid auf das Wesentliche besinnen.
SID

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