Klarheit zu haben, sei gut, meint Xabi Alonso. Nun denn: Dass der Spanier Bayer Leverkusen zum Saisonende verlässt, dürfte aus deutscher Sicht lediglich für den FC Bayern gut sein, schließlich muss sich sein ärgster Konkurrent auf die Meisterschale nach dem Abgang des Doublesieger-Trainers, dem sich auch Spieler wie Jonathan Tah und vielleicht sogar Florian Wirtz anschließen werden, komplett neu aufstellen.
Für den Rest des deutschen Fußballs ist die Nachricht vom Weggang des Trainers, der mit der Werkself vergangene Saison Geschichte schrieb, eher mit Ernüchterung zur Kenntnis zu nehmen. Denn: Die Starflucht im deutschen Oberhaus setzt sich augenscheinlich auch bei den Trainern fort. Sobald ein Spieler oder ein Fußballlehrer Besonderes in der Bundesliga leistet, ist er in der Regel relativ rasch wieder weg. Siehe Erling Haaland, Omar Marmoush oder jetzt Alonso. Es sei denn, der FC Bayern macht ernst. Siehe Wirtz.
Mit Ausnahme der Münchner ist die deutsche Eliteklasse auch weiterhin eine Art Zulieferer-Liga für die englische Premier League und die spanische LaLiga. Ist es eine Frage des Geldes? Ja, aber nicht nur! Ist es vielmehr eine Frage des Prestiges? Aber natürlich! Die Bundesliga ist ohne jeden Zweifel ein hochklassiges Produkt: volle Stadien, lebendige Fankultur – alles schön und gut. In Sachen Qualität – und darauf kommt es beim Spiel mit dem runden Leder nun mal an – spielt die Bundesliga in Europa höchstens im oberen Mittelfeld mit. Tendenz fallend.
Heuer war zum ersten Mal seit vier Jahren kein einziger der acht (!) deutschen Vertreter im Halbfinale eines der drei kontinentalen Wettbewerbe mit von der Partie. Zum Vergleich: viermal England, dreimal Spanien, zweimal Italien, einmal Frankreich. Für Silberware kommt mit Ausnahme der Frankfurter Eintracht 2022 in der Europa League ohnehin seit Jahren nur der FC Bayern infrage.
Xabi war vergangene Saison in der Europa League nah dran, scheiterte aber im Finale an Atalanta Bergamo. Nun zieht es den Basken wohl mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit zu seinem Ex-Club Real Madrid. Und das wiederum ist auch für den FC Bayern eine Niederlage, schließlich war man auch an der Säbener Straße lange an seiner Verpflichtung interessiert.