Was bringen die NHL-Spieler?

von Redaktion

Deutscher WM-Start mit Grubauer, Seider und Reichel – Stützle kommt nach

Sie sollen zum Defensiv-Bollwerk werden: Philipp Grubauer (l.) und Moritz Seider. © IMAGO/Laci Perenyi

Seine NHL-Karriere stagniert: Lukas Reichel von den Chicago Blackhawks. © dpa

Herning/München – Vielleicht mag Sydney Crosby Europa einfach. Schon mehrmals ist er in den Sommermonaten in der „Alten Welt“ gesichtet worden, hat sich – vor einigen Jahren in Oberstdorf etwa – Eis und einen Torwart angemietet, um privat zu trainieren. Jedenfalls: Gerade ist Sidney Crosby (37), einer der größten Stars der Eishockey-Geschichte, in Stockholm. Und mit ihm Nathan MacKinnon, der zweitbeste Scorer der NHL-Hauptrunde 2024/25. Crosby kam mit den Pittsburgh Penguins gar nicht erst in die Playoffs, MacKinnon schied mit der Colorado Avalanche im Achtelfinale aus. Dann spielen sie nun eben die WM. Kanada, ihr Land, ist in der Gruppe mit dem touristisch attraktiveren Standort gelandet: Stockholm. Der andere Teil der WM findet im dänischen Herning statt.

Es haben erstaunlich prominente NHL-Akteure für die Weltmeisterschaft zugesagt. Die großen Nationen können ihr Teams weitgehend aus NHL-Spielern bauen. Deutschland fehlt dafür die Breite. Doch auch wenige NHL-Spieler könnten „den Unterschied machen, wenn sie zünden“, so TV-Experte Rick Goldmann. Darum: Was kann die NHL-Fraktion in der deutschen Mannschaft leisten? WM-Auftakt ist am Samstag (16.20 Uhr, ProSieben und MagentaSport) gegen Ungarn, tags darauf wartet Kasachstan.

Philipp Grubauer: Der Rosenheimer könnte der „Starting Goalie“ werden – obwohl hinter ihm eine durchwachsene NHL-Saison mit den Seattle Kraken liegt. Nur 26 Spiele durfte er machen (17 davon wurden verloren), seine Fangquote lag bei 87,5 Prozent, der Gegentorschnitt bei 3,49. Der 33-Jährige wurde trotz seines opulenten Vertrags (5,9 Millionen Dollar jährlich bis 2027) vorübergehend ins Farmteam delegiert. Was die nicht so guten Werte des Stanley-Cup-Gewinners von 2018 erklärt, war ein Ereignis, das sein Trainer Dan Bylsma als „unglücklichen Unfall zu Hause“ umschrieb. Nur wenige Leute aus Grubauers Umfeld erfuhren: Sein Hund hatte ihn gebissen, die Wunde musste mit über 40 Stichen genäht werden.

Moritz Seider: Über ihn sagte Rick Goldmann einmal bewundernd: „Er wirft mit Menschen um sich.“ Eine schöne Beschreibung der physischen Spielweise des Verteidigers der Detroit Red Wings, der die gegnerischen Stürmer an sich abprallen lässt oder ihnen mit einem präventiv konternden „Reverse Hit“ begegnet. Doch Seider, der ehemalige Mannheimer, ist auch spielerisch Extraklasse und ein Konditionswunder. In der abgelaufenen NHL-Saison hatte er eine durchschnittliche Eiszeit von 25:04 Minuten, er bestritt also jeweils fast das halbe Spiel – und verpasste in vier Jahren NHL noch kein einziges. „Die Eiszeit, die er bekommt, ist die gegen den besten Sturm des Gegners, das ist eine Mammutaufgabe, doch er kann unglaublich viele Minuten tragen“, sagt Harold Kreis. Übrigens ist Seider bestbezahlter Deutscher in der NHL, denn: Superstar Leon Draisaitl (ab kommender Saison in Edmonton 14 Millionen US-Dollar jährlich) befindet sich in der letzten Saison seines alten Vertrags von 2017 (8,50 Millionen), Seider (8,55 Millionen) in der ersten seines neuen (bis 2031).

Lukas Reichel: Er freute sich riesig, als er 2020 von seinem Lieblingsclub in der NHL, den Chicago Blackhawks, in der ersten Runde gedraftet wurde. Doch seine Karriere hat sich nicht so entwickelt wie die der beiden Landsleute aus dem Jahrgang 2002, Tim Stützle (Ottawa) und John-Jason Peterka (Buffalo), die in eine weitaus höhere Gehaltsklasse aufstiegen (Stützle) oder kurz davor sind (Peterka). Reichel spielte zuletzt für vergleichsweise schmale 1,2 Millionen Dollar und hat noch keinen neuen Vertrag. 22 Scorerpunkte in 70 Spielen diese Saison sind keine Flop-Bilanz, doch durchschnittlich zwölf Minuten Eiszeit stellen ihn nicht zufrieden. Für die WM ist er wichtig. DEB-Sportdirektor Künast: „Jeder Spieler, der zur Nationalmannschaft stößt, lässt zurück, was im Verein war, er wird mit offenen Armen aufgenommen.“

Tim Stützle: Der 23-Jährige bekam am Freitagabend von den Ottawa Senators, deren Top-Scorer er ist, die WM-Freigabe. Er wird ab dem dritten Spiel (Norwegen) einsatzfähig sein. Der Mittelstürmer teilt sich mit Leon Draisaitl die höchste Draft-Platzierung eines Deutschen (3.), sein Trainer Pavel Gross früher in Mannheim sagte über den damals 17-jährigen Tim Stützle, „dass er Sachen beherrscht, die andere in der Mannschaft nie können werden“.
GÜNTER KLEIN

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