Der Skandal-Boss schlägt wieder zu

von Redaktion

Nottingham Forest: Clubbesitzer pöbelt gegen den eigenen Trainer

Bizarre Szene: Nottingham Clubbesitzer Marinakis stellt Nuno Espirito Santo auf dem Platz zur Rede – seinen eigenen Trainer. © Justin Tallis/AFP

Nottingham – Kaum war der Abpfiff ertönt, stürmte Notthingham Forests Clubbesitzer Evangelos Marinakis auch schon auf den Rasen. Wild gestikulierend und schimpfend stellte der Grieche Trainer Nuno Espírito Santo zur Rede, verweigerte anschließend sogar den Handschlag mit seinem Coach. Die Szene nach dem 2:2 gegen Leicester City, das Nottingham Forest im Kampf um die Champions-League-Plätze einen herben Dämpfer versetzte, schlägt in England große Wellen.

Gary Neville, Ex-Nationalspieler und TV-Kommentator, brandmarkte das Verhalten von Marinakis als „einen Skandal“, der ein Nachspiel haben müsse: „Wenn ich Nuno wäre, würde ich um ein ernstes Gespräch bitten. Auf dem Platz derart bloßgestellt zu werden, das ist völlig lächerlich.“ Diesen Umgang, so Neville, habe kein Trainer verdient. Santo solle am besten „über einen vorzeitigen Rücktritt verhandeln“. Marinakis selbst spielte das bizarre Schauspiel in den Sozialen Medien später herunter. Demnach sei er sauer über die Verletzung des früheren Bundesliga-Spielers Taiwo Awoniyi gewesen. Der ehemalige Profi von Union Berlin war in der 83. Minute eingewechselt worden und verletzte sich kurz darauf.

„Wir alle – Trainerstab, Spieler, Fans und auch ich selbst – waren frustriert über die Verletzung von Taiwo und die Fehleinschätzung des medizinischen Personals, ob Taiwo das Spiel fortsetzen kann“, schrieb Marinakis auf Instagram. „Das ist ganz natürlich, das ist eine Demonstration der Leidenschaft, die wir für unseren Verein empfinden.“

Es ist nicht das erste Mal, dass mit dem Multimillionär, dem auch der griechische Topclub Olympiakos Piräus gehört, die Gäule durchgehen. Angesichts seiner „Skandalakte“ könnte man Marinakis auch als härtesten Clubboss der Welt bezeichnen. Der 57-Jährige kam als Reeder zu seinem Geld und soll in der Vergangenheit in Korruption, Spielmanipulation und die Bildung einer kriminellen Vereinigung verwickelt gewesen sein. Sogar ein Bombenattentat auf die Bäckerei eines Schiedsrichters soll er in Auftrag gegeben haben. Im März wurde er zudem wegen Heroinschmuggels angeklagt. Seine abscheulichen Ausraster sind mittlerweile fast schon legendär. 2018 giftete er nach einer 0:3-Pleite in Richtung seiner Spieler: „Ihr seid nicht einmal das Toilettenpapier in unserem Trainingszentrum wert. Statt euch einen schönen Urlaub zu wünschen, sage ich: geht und erstickt.“

Erst im vergangenen Oktober wurde er vom englischen Fußballverband für fünf Premier-League-Spiele gesperrt. Der Grund: Nach einer 0:1-Niederlage gegen Fulham hatte er die Schiris angespuckt. Zumindest intern droht Marinakis nach seinem neuerlichen Ausraster aber natürlich kein Ärger. Santo nahm seine emotionale Reaktion nicht übel. „Es ist seine Leidenschaft und sein Wunsch, ein großer Verein zu sein. 30 000 Menschen haben das heute genauso empfunden. Sicherlich würden viele von ihnen auf das Spielfeld gehen und uns durchschütteln“, erklärte der 51 Jahre alte Portugiese. Ihm bleibt zu wünschen, dass die Qualifikation für die Königsklasse gelingt. Denn wenn nicht, steht Marinakis mit Sicherheit schon bereit …

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