ZUM TAGE

Auf der Suche nach der letzten Patrone

von Redaktion

Trennung von Djokovic und Murray

Novak Djokovic und Boris Becker, Roger Federer und Stefan Edberg, Andy Murray und Ivan Lendl – auf der Tennistour gab es schon einige Trainer-Spieler-Paarungen, die für Aufregung sorgten. Das neueste Duo Djokovic/Murry hatte allerdings eine spezielle Komponente, da sich erstmals zwei Stars zusammentaten, die zuvor schon seit Jugendzeiten erbitterte Konkurrenten auf dem Platz waren. Seit gestern ist die Super-Kombo Geschichte. Der Serbe und der Schotte gehen nach rund einem halben Jahr bereits wieder getrennte Wege. Auf der Jagd nach seinem 25. Grand-Slam-Titel – aktuell steht Djokovic gleich auf mit Margaret Court (24 Erfolge) an der Spitze – hatte sich der 37-Jährige von seinem Langzeitcoach Goran Ivanisevic getrennt. Neue Impulse waren in den vergangenen Monaten allerdings nicht zu erkennen. Im Gegenteil, der bisherige Branchenprimus droht im Mittelmaß zu versinken. Ausgerechnet der Mann, der in jeder scheinbar noch so ausweglosen Situation eine Lösung fand.

In der Weltrangliste, die Djokovic mit Unterbrechungen insgesamt 428 Wochen (Rekord!) anführte, wird er „nur“ noch auf Rang sechs geführt. In Monte Carlo (gegen Tabilo) und Ende April in Madrid (Arnaldi) scheiterte er in Runde eins. Der Zahn der Zeit scheint an ihm zu nagen. Während Murray zu Hause mit seinen vier Kindern sicher nicht langweilig wird, fragt man sich beim „Djoker“ vor seinem Wildcard-Comeback kommende Woche in Genf: Wie lange soll es noch gehen? Wann ist der richtige Zeitpunkt fürs Karriereende? Und, gibt es den überhaupt?

Federer und Rafael Nadal waren bei ihren letzten Darbietungen ein Schatten ihrer Premium-Versionen. Als Fan ist das oft schwer mitanzusehen. Aber natürlich ändert das nichts an früheren Meriten. Murray (37), der selbst erst nach Olympia 2024 den Schläger zur Seite stellte, hat man im hohen Alter noch gerne zugesehen, weil er auch auf kleineren Bühnen kämpfte wie zu seinen besten Zeiten.

Ein nahezu perfektes Ende gelang Pete Sampras. Sein letztes Profimatch war das gewonnene US-Open-Finale 2002. Interessant: Auch „Pistol Pete“ gelang die ganze Saison bis dahin wenig. Tiefpunkt dabei war sicher sein Zweitrunden-Aus gegen einen Qualifikanten bei seinem Lieblingsturnier Wimbledon. „Ich fühlte, dass ich immer noch wenigstens einen großen Schwung in mir hatte“, schrieb Sampras später in seiner Biografie. Womöglich hat auch Djokovic noch eine letzte Patrone.
MATHIAS.MUELLER@OVB.NET

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