Sportvorstand Max Eberl auf der Tribüne mit FCB-CEO Jan-Christian Dreesen. © IMAGO/Harzer
München – Am Montag stand die Aufsichtsratssitzung des FC Bayern an. Dessen Mitglieder – zu denen auch Uli Hoeneß, Karl-Heinz Rummenigge und Aufsichtsratsvorsitzender Herbert Hainer gehören – entscheiden in letzter Instanz über große Transferpakete oder Personalentscheidungen.
Diesmal war jedoch auch Max Eberl vor Ort. Der Sportvorstand sollte für die Aufsichtsratsmitglieder ein Konzept präsentieren, um die Gehaltsausgaben zu senken. Dabei stand vor allem die Frage im Fokus, wie man trotz laufender hochdatierter Verträge – wie beispielsweise von Leon Goretzka oder Serge Gnabry – die Finanzen stabilisieren könne. Die Maßgabe, die dabei von den Bossen an Eberl gestellt wurde, lautete Einsparungen in Höhe von 20 Prozent.
Nachdem Eberl die Sitzung verließ, wurde vom Aufsichtsrat aber auch dessen Arbeit im Generellen diskutiert. Der Manager stand in den letzten Wochen und Monaten schließlich immer wieder öffentlich in der Kritik, zuletzt wegen seiner Kommunikation rund um die Ibiza-Reise einiger Bayern-Profis. Eberl legte noch vor einer Woche sein Veto gegen eine Reise auf die Party-Insel ein, nach dem letzten Heimspiel gegen Gladbach erlaubte er es den 13 Profis um Harry Kane und Thomas Müller dann aber doch.
Nach Informationen unserer Zeitung wurde dieses Thema zwar unter den Aufsichtsratsmitgliedern diskutiert, nahm aber keine größere Rolle ein. Der Aufsichtsrat soll die Kehrtwende als nicht so dramatisch empfunden haben, wie sie öffentlich dargestellt wurde.
Ein anderes Thema, das am Rande der Sitzung besprochen wurde, war dagegen die Anstellung von Markus Weinzierl als sportlicher Leiter am Campus, die Eberl zu verantworten hatte. Demnach wird Eberl für diese Personalentscheidung kritisiert, da nicht alle Bosse mit der Arbeit Weinzierls zufrieden sind. Ebenso gibt es Kritik am Eberl-Vertrauten Nils Schmadtke, der als Chefscout engagiert wurde. Und ihm wurde immer wieder vorgeworfen, sich bei Verhandlungen zu sehr von der Gegenseite nach oben treiben zu lassen.
Zuvor wurde öffentlich bereits die Kommunikation rund um das Aus von Thomas Müller beim Rekordmeister kritisiert. Auch intern wurde vernommen, dass Eberl mit seiner verbalen Rolle rückwärts keine gute Figur abgegeben habe. Eberl kündigte noch im Januar an, dass eine Verlängerung von Müller quasi Formsache sei, Anfang April musste er seiner damaligen Aussage dann widersprechen. Schließlich schaltete sich Jan-Christian Dreesen ein, um eine Eskalation zwischen Müller und dem Verein zu verhindern. Ist also Eberls Zukunft in akuter Gefahr? Zunächst nicht.
Ihm soll die Chance gegeben werden, sich im kommenden Transferfenster zu beweisen. Nach Informationen unserer Zeitung soll außerdem in den kommenden Wochen auf keinen Fall Unruhe im Verein entstehen, um einen Transfer von Florian Wirtz nicht zu gefährden. Im Vereinsumfeld war in diesem Zuge immer wieder das Wort „Kontinuität“ zu hören. Trotzdem bleibt der Druck für Eberl hoch. Sollte es ihm nicht gelingen, die hohen Anforderungen in diesem Transferfenster zu erfüllen, dürfte er weiterhin Kritik ausgesetzt sein. Sportdirektor Christoph Freund ist dagegen in der Münchner Führungsriege sehr beliebt, ihm wird das Potenzial für höhere Aufgaben nachgesagt.
V. TSCHIRPKE, M. BONKE,
H. RAIF, P. KESSLER