Rückkehr nach 125 Jahren

von Redaktion

Meisterschaft: Schach-Elite duelliert sich in München

Rasmus Svane und Vincent Keymer(re.) .

München – Die letzte deutsche Schach-Meisterschaft in München hat im Jahr 1900 stattgefunden. „Ich konnte es kaum glauben, als ich das hörte“, unterstreicht Großmeister Gerald Hertneck. Vor 125 Jahren teilten sich Carl Schlechter und Harry Pillsbury nach Playoffs den ersten Platz mit jeweils neun Siegen und sechs Remis. Um diesem Missstand in der Schach-Metropole mit drei Bundesliga-Teams Abhilfe zu schaffen, zog Richard Holzberger als erfahrener Organisator des alljährlichen Münchner Schachfestivals die 96. nationale Meisterschaft an Land.

Die Veranstaltung vom 15. bis 23. Mai (täglich ab 14 Uhr) in der Fat Cat GmbH (ehemals Gasteig), Rosenheimer Straße 5, wird auch dank Mitorganisator Hertneck zu einem Höhepunkt. Der Leistungssportreferent des Deutschen Schachbundes (DSB) freut sich auf eine Topbesetzung des zehnköpfigen Männerfelds. „Das wird ein richtig herausforderndes Turnier mit Duellen gegen andere Spitzenspieler“, bestätigt ihn Vincent Keymer.

Aktuell steht der 20-Jährige von der OSG Baden-Baden auf Platz 25 der Weltrangliste. Entsprechend sehen ihn seine Hauptkonkurrenten als Topfavoriten im Kampf um die 5000 Euro Prämie. Aber Matthias Blübaum (SF Deizisau) und die Brüder Rasmus und Frederik Svane (beide Hamburger SK) müssen sich nicht verstecken. Der frisch gebackene Europameister Blübaum freut sich, „dass die DM dieses Jahr sehr stark besetzt ist und bis auf Titelverteidiger Dmitrij Kollars die gesamte deutsche Spitze mitmischt. Trotz Vincent rechne ich mir durchaus Chancen auf den Turniersieg aus“, gesteht der 28-jährige Lemgoer.

In dasselbe Horn stoßen die Svane-Brüder: „Die deutsche Meisterschaft ist besonders stark besetzt. Es wäre für uns daher keine große Überraschung, falls einer der anderen Topspieler das Turnier vor Vincent gewinnen sollte.“ Für die beiden Söhne des Lübecker Cellisten Troels Svane gibt es laut Frederik eine weitere „große Herausforderung: Es ist sowohl psychologisch als auch spielerisch schwierig, gegen Rasmus zu spielen“! Ein schnelles Remis mit dem älteren Bruder, der am 21. Mai seinen 28. Geburtstag feiert, schließen die Brüder aus. „Wir kämpfen die Partien immer aus“, versichert Frederik. Als Vizeeuropameister und Gewinner von mehr als 22 000 Euro Preisgeld an Ostern beim Chess960-Topevent in Karlsruhe hinter Dominator Magnus Carlsen (Norwegen) war er zuletzt in bestechender Form.

Bei den Frauen geht es im zeitgleichen Meisterturnier bis zum 23. Mai um 11 400 Euro. Dinara Wagner (SC Viernheim) gilt dabei als heißeste Anwärterin auf den ersten Preis von 3200 Euro. In den Kandidatenturnieren werden zudem die Aufsteiger für 2026 ermittelt. Die Eröffnung der deutschen Meisterschaften findet am 14. Mai um 18.30 Uhr in der Münchner Schachakademie (MSA) statt.

Im Veranstaltungszentrum Fat Cat bieten die Macher um Hertneck, der vor Kurzem als Topscorer die Bundesliga-Rückkehr der MSA Zugzwang ermöglichte, dem Publikum ab Donnerstag ein üppiges Rahmenprogramm: Für Hobbyspieler gibt es ein offenes Blitz- und ein Chess960-Schnellturnier. Zudem gibt MSA-Großmeister Pawel Eljanow (Ukraine) ein Simultan an 20 Brettern. Ein Symposium zur Münchner Schachlegende Wolfgang Unzicker, der heuer 100 Jahre alt geworden wäre, und ein Round-Table-Gespräch zum kürzlich verstorbenen Robert Hübner sind für Schachkultur-Interessierte ein Muss. Sehenswerte Bilder zeigt außerdem die Ausstellung „Capture“ des Schach-Fotografen Stev Bonhage.
HARTMUT METZ

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