Gibt den Ton an: Michael Olise hat so viele Tore und Vorlagen gesammelt, wie seit 2004 kein anderer Neuzugang der Bayern mehr. © IMAGO
München – Eine kleine „Enttäuschung“ hat Michael Olise diese Woche schon einstecken müssen. Am Sonntag hat die französische Fußballspieler-Gewerkschaft (UNFP) die Preisträger ihrer jährlichen Besten-Wahl veröffentlicht – und der Flügelspieler des FC Bayern gehörte nicht dazu. Unter der Kategorie „Bester französischer Spieler im Ausland“ hat Olise den zweiten Platz belegt. Vor ihm: ein gewisser Kylian Mbappé.
Nun ja: Wer es mit einem Mann aufnimmt, der im Trikot von Real Madrid 38 Tore erzielt und vier Treffer aufgelegt hat, kann nur schwer gewinnen. Deshalb ist es für Olise auch schlauer, den Blick einfach bei sich zu lassen. Seine eigenen Leistungen im ersten Bundesliga-Jahr, das er an diesem Samstag (15.30 Uhr) in Hoffenheim beenden wird, sprechen nämlich nicht nur für sich, sondern sind sogar historisch. Zudem hat Olise ein absolutes Alleinstellungsmerkmal im Kader von Vincent Kompany: Er ist Bayerns Dauerbrenner.
In allen bisher 33 Bundesliga-Partien stand der Nationalspieler, der im vergangenen Sommer für rund 51 Millionen Euro verpflichtet wurde, auf dem Platz – in Sinsheim will und wird er am Samstag die 34 voll machen. Das wird selbst Joshua Kimmich nicht gelingen, der wegen einer Sehnenreizung ausgerechnet die Partie bei seinem Ex-Verein VfB Stuttgart Ende Februar verpasste. Der 30-Jährige hat zwar die meisten Minuten im roten Trikot gesammelt (2757) – in dieser Statistik kommt Olise hinter Harry Kane (2362) und Minjae Kim (2289) nur auf den vierten Rang (2257). Kein anderer aber stand so häufig auf dem Feld wie er.
Wenn ein Neuzugang das von sich behaupten kann, hat er eingeschlagen. Und dass genau das der Fall ist, ist für die sportliche Führung ein großes Pfund. Es ist kein Geheimnis, dass Max Eberls Standing in den vergangenen Monaten gelitten hat – in der Transferperiode steht der Sportvorstand unter Druck. Dass Olise – anders als Joao Palhinha, Hiroki Ito oder der längst verliehene Bryan Zaragoza – ein Glücksgriff war, spielt dem 51-Jährigen in die Karten. Unter den vier Flügelspielern ist er der mit Abstand konstanteste, eine Formdelle hat er sich trotz seines Einsatzes im französischen Olympia-Team und kaum Urlaub nicht erlaubt. Vielmehr hat der 23-Jährige Bestmarken aufgestellt.
Seit Einführung der Datenerfassung zur Saison 2004/05 ist es keinem anderen Neuzugang beim FC Bayern gelungen, zweistellige Werte in den Kategorien Toren und Assists zu erreichen. Vor dem letzten Bundesliga-Einsatz der Saison steht Meister Olise bei elf Treffern und 14 Assists – und nachlassen möchte er nicht. Der Saisonendspurt hat ihn nämlich regelrecht beflügelt: In seinen jüngsten drei Bundesliga-Einsätzen steuerte der Franzose jeweils ein Tor und eine Vorlage bei. Das war zuletzt Mario Mandzukic vor gut zehn Jahren für den FC Bayern gelungen. Die 14 Vorlagen machen ihn zudem zum besten Vorbereiter der Liga und zum besten Debütanten seit Emil Forsberg (Leipzig) in der Saison 2016/17.
Die Liga hat noch kein Rezept gefunden, Olise zu stoppen. Vielleicht sollten Hoffenheims Verteidiger die Tipps beherzigen, die Ex-Kapitän Philipp Lahm via „The Athletic“ vor wenigen Tagen teilte. „Ich würde ihn so viel Druck wie möglich aussetzen, ihn früh attackieren, aber immer wach bleiben.“ 17 Abwehrreihen wissen: Leichter gesagt als getan.
H. RAIF, M. BONKE, P. KESSLER