Gianni Infantino, FIFA-Präsident, und US-Präsident Donald Trump. © Harnik/dpa
Asunción/Köln – Die Kritik am drohenden WM-Wahnsinn war weit weg, als Gianni Infantino plötzlich ins Rampenlicht rückte. „Die WM ist hier“, rief Donald Trump den Gästen des Saudi-US-Investment-Forums in Riad zu, ehe er seinen „Freund“ aufforderte, doch bitte einmal aufzustehen. „Danke, Gianni. Great job, Gianni“, schwärmte der US-Präsident. Und Infantino? Der genoss das Lob, er strahlte zufrieden an der Seite des saudischen Kronprinzen Mohammed bin Salman – und winkte artig zurück.
Der FIFA-Boss tourt dieser Tage in Trumps Schatten munter durch Nahost, während in Asunción die Vorbereitungen auf den Kongress des Weltverbands am Donnerstag laufen. Es verwundert durchaus, dass Infantino kurz vor der wichtigsten Versammlung der Fußballgemeinschaft fernab von Paraguays Hauptstadt unterwegs ist. Nicht nur, weil drängende Fragen zu klären sind: Was wird etwa aus dem umstrittenen Plan einer Mega-WM mit 64 Teams?
Die Idee, beim Jubiläumsturnier 2030 gleich die nächste Aufblähung des Teilnehmerfeldes vorzunehmen, hatte die Fußballwelt vor zwei Monaten in Aufruhr versetzt. Aus etlichen Ländern folgte Kritik. Doch die FIFA, die den Vorschlag des uruguayischen Verbandschefs Ignacio Alonso prüfen wollte, hüllt sich seitdem in Schweigen. Auf der Tagesordnung des Kongresses steht das Thema nicht, es schwelt im Hintergrund – und beschäftigt auch den deutschen Fußball.
„Wir werden diesen Vorschlag nicht unterstützen, weil ich zutiefst davon überzeugt bin, dass wir dem Turnier damit keinen Gefallen tun würden“, sagte DFB-Präsident Bernd Neuendorf kurz vor der Reise nach Paraguay. Er halte „den Vorschlag aus sportlicher und organisatorischer Sicht für nicht umsetzbar und werde hierfür nicht die Hand heben“.
Die Idee sei „spontan“ bei der Council-Sitzung im März vorgelegt worden, teilte ein FIFA-Sprecher mit: „Die Idee wurde zur Kenntnis genommen, da die FIFA verpflichtet ist, jeden Vorschlag eines ihrer Council-Mitglieder zu analysieren.“ Zum aktuellen Stand der Analyse oder zum Zeitplan wollte sich der Weltverband nicht äußern.
Uruguay ist Co-Gastgeber der WM 2030, dazu wird das Turnier in Argentinien, Paraguay, Portugal, Spanien und Marokko ausgetragen. Ob Infantino, der das Council im Stile eines Alleinherrschers führt, in den Vorstoß aus Südamerika im Vorfeld eingeweiht war, ist offen.
Eine erneute Revolution würde jedenfalls ins „System Infantino“ passen, das zur Aufstockung ab dem kommenden Jahr in den USA, Kanada und Mexiko sowie kürzlich auch zur Erweiterung der Frauen-WM auf 48 Teams führte. Dieses läuft in etwa so: Mehr Wettbewerbe mit mehr Teams bringen mehr Geld, das sich an die „Fußballfamilie“ verteilen lässt und die Macht des Schweizers festigt. Als Infantino davon geträumt hatte, die Männer-WM alle zwei Jahre auszutragen, musste er nach massivem Widerstand zurückrudern.
Kritik gibt es auch diesmal. Scheich Salman bin Ibrahim Al-Khalifa vom asiatischen Dachverband AFC prognostiziert bei einer Erweiterung ein „Chaos“.
SID