In Topform: Marius Bülter schoss in den letzten vier Spielen drei Tore. © IMAGO/Treese
Im letzten Spiel der Saison geht es für die TSG Hoffenheim um alles – ausgerechnet gegen den FC Bayern. Offensivspieler Marius Bülter spricht im Interview über die angespannte Lage im Abstiegskampf und die Ibiza-Affäre der Bayern-Stars.
Herr Bülter, wie ist die Stimmung in Hoffenheim – fühlt man sich fast „gerettet“ oder noch nicht?
Nein, leider nicht. Die Stimmung ist natürlich angespannt. Der Druck, den wir die letzten Wochen schon hatten, ist immer noch da. Uns ist allen bewusst, in welcher schwierigen Situation wir gerade sind. Allerdings haben wir den Klassenerhalt noch in der eigenen Hand.
Oliver Baumann hat gesagt: „Ich hasse es, auf andere Mannschaften zu schauen.“ Trifft es das gut?
Immer zu schauen, was in den anderen Stadien passiert, zu hoffen, dass die Mannschaften für einen spielen, ist kein schönes Gefühl. Aber ein Punkt reicht uns. Wir sollten also alles dafür geben, den zu holen. Dann müssen wir auch nicht auf andere hoffen.
Ist es jetzt dankbar oder undankbar, ausgerechnet am letzten Spieltag gegen die Bayern zu spielen?
Sie sind schon Meister, für sie geht es um nicht mehr viel. Aber es ist trotzdem die beste Mannschaft in der Liga und es gibt somit definitiv einfachere Aufgaben. Deswegen ist es sicherlich nicht dankbar. Wir hatten das gleiche Spiel in der vergangenen Saison auch schon – und haben damals 4:2 gewonnen. Vielleicht ist das ja ein gutes Omen.
Wie haben Sie als Gegner die Ibiza-„Affäre“ verfolgt – oder haben Sie sie gar nicht verfolgt?
Uns hat das nicht interessiert. Ich persönlich kann das schon nachvollziehen und finde es auch nicht schlimm.
Erwarten Sie ein „jetzt erst recht“ der Bayern? Wie kann man dem kontern?
Unser Ziel muss es sein, maximal unangenehm zu spielen, den Bayern die Lust am Spielen zu nehmen und auch selbst immer wieder für Entlastung zu sorgen. Wir haben unsere Stärken in der Offensive, da müssen wir also die Nadelstiche setzen und Tore schießen. Dann holen wir zumindest den einen Punkt. Das sollten wir uns auch zutrauen. Mit Angst gegen die Bayern zu spielen, ist nicht gut.
Haben Sie im Hinspiel mit Angst gespielt – oder wie kam das 0:5 zustande?
Das war mit eine unserer schlechtesten Leistungen in dieser Saison. Aber es ist eine Warnung für uns: So ein Spiel gegen Bayern kann man auch mal hoch verlieren. Und das sollte uns auf keinem Fall passieren.
Sie selbst haben in den letzten vier Bundesliga-Partien drei Tore und zwei Vorlagen auf dem Konto. Müssen die Bayern Angst vor Ihnen haben?
Ja klar (lacht)! Aber Spaß beiseite: Für mich ist es nach meiner langen Verletzung natürlich gut, bei 100 Prozent zu sein. So kann ich der Mannschaft helfen.
Wie wichtig wäre es sich nach dieser Saison mit einem positiven Erlebnis zu verabschieden?
Wichtig, aber ich sage ganz ehrlich: Ob wir am Ende verlieren, gewinnen, einen Punkt holen – mir ist wichtig, dass ich Samstagabend weiß, dass Hoffenheim in der nächsten Saison in der Bundesliga steht.
Der Kader wird sich verändern, Tom Bischof schließt sich den Bayern an. Auf was für einen Typen kann sich München freuen?
Auf einen sehr guten Fußballer, dem ich es absolut zutraue, bei Bayern auf viel Spielzeit zu kommen. Er ist noch so jung und war in dieser Saison trotzdem einer unserer wichtigsten Spieler. Extrem fleißig, ehrgeizig – das sind ja auch die Grundvoraussetzungen, wenn man es ganz nach oben schaffen will.
Er gilt auch jetzt schon als Leader.
Er geht voran, mit seinen Leistungen, aber auch als Person. Ich traue ihm absolut zu, ein Leader einer Mannschaft zu sein. Auch ein Leader in München. Tom ist so jung, aber ich weiß schon jetzt, dass man sich um ihn in der großen weiten Fußball-Welt keine Sorgen machen muss.
Sie sind spät Profi-Fußballer geworden, haben Maschinenbau studiert: Woran merken Sie im Alltag, dass Sie einen anderen Blick auf den Profi-Fußball haben?
Ich weiß vielleicht ein bisschen mehr zu schätzen als viele andere, wie besonders es ist, Bundesliga-Spieler zu sein. Allerdings gewöhne auch ich mich daran (lacht). Trotzdem halte ich mir immer wieder vor Augen, wo ich vor sieben, acht Jahren Fußball gespielt habe. Hätte man mir damals jemand gesagt, dass ich in der 1. Liga um den Klassenerhalt spiele, hätte ich das für mich persönlich sofort unterschrieben.
INTERVIEW: HANNA RAIF