Australischer Energieriegel

von Redaktion

Bayerns White ist ein wichtiger Puzzlestein gegen den physisch starken MBC

Der nach verpflichtete Australier Jack White steht bei Bayerns Trainer Gordon Herbert hoch im Kurs. © IMAGO/Lackovic

München – Zumindest für Ivan Kharchenkov war nach dem Playoff-Auftakt Eile angesagt. Der Münchner Rohdiamant, der zuletzt wie so viele Youngster in der BBL heftig in Richtung US-College gerüchtelt wird, reiste nach Berlin, wo die Münchner U19 am Samstag noch ohne ihn den Sprung ins Finale um die deutsche Meisterschaft geschafft hatte. Und der Trip sollte sich lohnen. Mit Kharchenkov (13 Punkte) fegte der Bayern-Nachwuchs auch Ulm mit 89:73 vom Feld.

Am Montag reiste der dekorierte Youngster dann nach Weißenfels weiter, wo auch die Profis einem ähnlichen Coup zumindest einen Schritt näher kommen wollen. Um 18.30 Uhr geht das Viertelfinale in die zweite Runde. Und das ist eine Aufgabe, die die Bayern mit deutlich aufgebesserter Laune angehen. Das 78:60 im SAP Garden tat gut. Auch, weil die zuletzt eher beiläufig auftretenden Münchner in Sachen Intensität und Defensivbiss endlich tatsächlich so etwas wie Playoff-Form erahnen ließen.

Lucic bleibt wohl für zwei weitere Jahre

Und auch sonst scheinen die Bayern zuletzt noch für etwas mehr Ruhe gesorgt zu haben. So weist auch viel darauf hin, dass man mit Vladimir Lucic einig geworden ist. Laut serbischen Medien wird der Kapitän, der nebenbei auch an einem deutschen Pass arbeiten soll, seiner Langzeit-Heimat (neun Jahre) für zwei weitere Spielzeiten treu bleiben. Darauf hat man sich dem Vernehmen nach noch vor dem Start in die heiße Phase in Sachen Titelverteidigung geeinigt.

Soweit ist es bei Jack White offenbar noch nicht. Den Australier hatten die Bayern ja erst vor wenigen Wochen an Bord geholt um für die Wochen der Entscheidung in Euroleague und BBL eine etwas solidere Personaldecke zu haben. Trainer Gordon Herbert war von dem neuen Mann schnell angetan: „Ein toller Basketballer.“ Am Samstag, und das sagt dann doch etwas aus, beorderte er den Forward gleich in die Startformation. Und der zahlte entsprechend zurück. Gab hinten den bissigen Verteidiger, der auch MBC-Topscorer Michael Devoe einmal mit einem krachenden Block abräumte. Genau die Qualitäten, die den Bayern zuletzt so bitter fehlten. Nicht zu vergessen die zehn Punkte, die White in der Offensive beisteuerte.

Am Ende hatte er doch das Gefühl: es ginge noch so viel mehr. Die Zeit, die Mitspieler und das System kennenzulernen war eine kurze. „Ich will die beste Version von mir selbst sein“, sagte der 27-Jährige, „bis jetzt kratze ich nur an der Oberfläche“. Es ist der Anspruch eines Mannes, der es 2023 mit den Denver Nuggets immerhin schon zum NBA-Champion gebracht hatte. Eines Spielers, der in seiner Karriere schon mit diversen Trainer-Riesen zusammengearbeitet hat. Vom legendären Mike Krzyzewski am College, den der Sperrigkeit seines Nachnamens wegen alle nur „Coach K“ nennen bis hin zu Michael Malone in Denver.

Bei den Bayern sortiert er sich als der harte Arbeiter ein. Als ein Energiebringer, der immer mit größter Intensität ans Werk geht, wenn ihn Gordon Herbert aufs Feld schickt. „Wenn du alles gibst und dir Fehler passieren, dann kann man damit leben“, sagte White, „diese Haltung versuche ich immer, aufs Feld zu bringen.“

Gut möglich, dass gerade ihm da am Dienstag eine Schlüsselrolle zukommen wird. Immerhin hat Gegner MBC seine Heimstärke (13:3-Siege in der Hauptrunde) bislang vor allem der Fähigkeit zu verdanken, mit Physis und Härte auch den Rhythmus der vermeintlich stärker besetzten Teams zu brechen. White könnte vorangehen, wenn es darum geht, gegenzuhalten. Bei einem Sieg hätten die Bayern am Samstag im heimischen Garden bereits den ersten Matchball.
PATRICK REICHELT

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