Applaus, Applaus! Der saarländische Dorfverein SV Elversberg steht in der Aufstiegs-Relegation zur Bundesliga. © Imago
Elversberg – Was wie ein kitschiger Hollywood-Film klingt, ist längst Realität – und hat am Sonntag ein neues Kapitel bekommen. 2:1 (1:0)-Sieg bei Schalke 04– als Tabellendritter darf das Überraschungsteam nun gegen den 1. FC Heidenheim um den Aufstieg in die höchste Spielklasse kämpfen. Das Hinspiel der Relegation steigt am Donnerstag auswärts, das Rückspiel am 26. Mai an der heimischen Kaiserlinde.
„Wir haben in dieser Saison mit Leistung überzeugt, einfach erfrischenden Fußball gespielt und die Leute auch ein bisschen begeistert“, sagte SVE-Kapitän Robin Fellhauer und ergänzte: „Jetzt haben wir ein bisschen was zu gewinnen und gar nichts zu verlieren. Alles kann, nichts muss.“
Für das Saarland wäre dieses „bisschen was“ tatsächlich ganz schön viel. 31 Jahre nach dem Abstieg des 1. FC Saarbrücken könnte das kleine Bundesland an der Grenze zu Frankreich erstmals wieder Bundesliga-Luft schnuppern. „Für mich ist das ein Spiel und wir spielen es, so gut wir es können“, spielt zwar auch Horst Steffen die Bedeutung der Partie herunter. Dabei wäre der erstmalige Bundesligaaufstieg für Elversberg freilich eine Sensation.
Als Steffen 2018 dort das Traineramt übernahm, steckte Elversberg tief im Abstiegskampf der Regionalliga Südwest. Während auf Schalke noch die Champions-League-Hymne lief, tuckerte der Club aus der 12 800-Einwohner-Gemeinde Spiesen-Elversberg auf Dorfsportplätze wie in Balingen oder Walldorf.
Inzwischen ist Steffen der dienstälteste Coach des Vereins – und einer der Architekten dieses Fußball-Märchens. Gemeinsam mit Sportvorstand Nils-Ole Book und dem langjährigen Aufsichtsratschef Frank Holzer, dessen Firma Ursapharm als Hauptsponsor fungiert, formte der Coach ein Spitzenteam, schaffte nach zwei zweiten Plätzen den ersehnten Aufstieg. Es folgte der direkte Durchmarsch als Drittliga-Meister – und im Premierenjahr in Liga zwei mit Platz elf der sichere Klassenerhalt.
Unruhe wie auf Schalke kennt man an der Kaiserlinde nicht. „Vielleicht ist das Unaufgeregte schon unser Erfolgsgeheimnis“, erklärte Book: „Wir legen größten Wert darauf, dass wir auf dem Boden bleiben. Wir leben hier auch nicht im Luxus. Grundlage unseres Erfolgs sind Fleiß, Demut und harte Arbeit.“ Ohne diese Attribute hätte der Verein „im Profifußball keine Daseinsberechtigung mehr“.
Wichtiger Baustein sind zudem die alljährlichen Leihgeschäfte. Stuttgarts Shootingstar Nick Woltemade schoss die SVE einst in Liga zwei, Paul Wanner, derzeit vom FC Bayern beim 1. FC Heidenheim geparkt, war tragende Säule auf dem Weg zum Klassenerhalt in der Vorsaison. Mit Topscorer Fisnik Asllani und Muhamed Damar von der TSG Hoffenheim sowie Frankfurts Elias Baum fand der Sportvorstand auch in dieser Spielzeit junge Leih-Juwele.
Bei aller Bescheidenheit würden die Elversberger einen Aufstieg „auf jeden Fall annehmen“, sagte Book im Winter. Nun steht der tatsächlich vor der Tür.
JOHANNES OHR