In der Gemeinde Spiesen-Elversberg tut sich was. Der ortsansässige Fußballklub wird ein aufgepäppeltes Stadion erhalten, im Sommer 2026 ist der Umbau abgeschlossen, an der Kaiserlinde werden dann 15.000 Leute Platz finden, 5000 mehr als bisher. Kuriosum am Rande: Im gesamten Dorf leben nur 13.000 Menschen. Und fast alle von ihnen fiebern mit dem liebsten Kind des Örtchens, der SV Elversberg.
Die Saarländer schicken sich an, die Fußballwelt aufzumischen, die „Elv“ wird als Zweitligadritter gegen den 1.FC Heidenheim in zwei Relegationsspielen, am Donnerstag und Montag, um den letzten freien Platz in der Beletage kämpfen. Nicht Hertha, Schalke, Nürnberg oder Hannover, nicht Düsseldorf, Kaiserslautern, Darmstadt oder Karlsruhe, sondern SV 07 Elversberg. Da ist viel Fußballromantik im Spiel, die beiden dienstältesten Profitrainer treffen aufeinander, es geht für Elversberg um einen Eintrag ins Geschichtsbuch.
Zufall ist die Entwicklung nicht. Sollten es der winzige Dorfklub in die Bundesliga packen, wäre es der dritte Aufstieg binnen vier Jahren. Es wäre, wenn man so will, eine Rebellion gegen das Establishment – am Reißbrett entworfen.
Denn hinter dem Aufstieg steckt eine einflussreiche Familie, Vater und Sohn, der eine Aufsichtratsboss, der andere Präsident. Papa Frank Holzer, einst Bundesligastürmer, steckt seit mehr als drei Jahrzehnten Geld in seinen Herzensverein, er kann es sich leisten, der 72-Jährige ist ein steinreicher Pharmaunternehmer. Aber: Er hat seine Kohle nie abgehalfterten Söldnern in den Rachen geworfen. Er baut mit seinem Sohn Dominik auf eine organische Entwicklung des Klubs, finanziert den Stadionumbau; beide stehen für Ruhe und Kontinuität. Und beide haben im Oktober 2018 eine goldrichtige Entscheidung getroffen: Sie verpflichteten den empathischen Spielerentwickler Horst Steffen als Cheftrainer sowie den klugen Ex-Profi Nils-Ole Book als Sportboss. Zwei Volltreffer.
Beide baldowerten eine clevere Strategie als Vereinsphilosophie aus, holen junge, talentierte, hungrige Spieler. Oder sie leihen Hochbegabte aus, vor wenigen Jahren Nick Woltemade oder Paul Wanner, in dieser Saison Elias Baum (Eintracht Frankfurt), Fisnik Asllani und Mo Damar (beide Hoffenheim). Ein Erfolgsmodell, das die „Elv“ in den elitären Zirkel der Balltreterei führen könnte. Das wäre kein Fußballwunder, aber eine märchenhafte Geschichte.