Münchner Passgeber: Russel Tabor. © IMAGO/Fehrmann
Unterhaching – Der Staub auf den Flügeln der Munich Ravens musste erst ein wenig abgeklopft werden. Über acht Monate wartete das Münchner Football-Team auf den Start in die neue Saison der European League of Football – und das mit großen Einschnitten in der Mannschaft. Mit Quarterback Chad Jeffries, der die Ravens vergangenes Jahr zum ersten Mal in die Playoffs führte, und Runningback Tomiwa Oyewu brachen zwei Stützen der Offensive weg. „Rusty“ – also rostig –bezeichnete der neue Kopf der Offensive, Russel Tabor, den Liga-Auftakt gegen die Raiders Tirol.
Beim am Ende sogar recht komfortablen 20:7-Sieg am Sonntag kam der 21-jährige Amerikaner nicht gut ins Spiel. Seine Pässe waren teilweise unerreichbar für seine Mitspieler, weswegen die gesamte Offensive Probleme hatte. Dennoch klappte es nach einem punktelosen ersten Viertel mit dem ersten Tuchdown für die Münchner. Nachdem es durch die Luft nicht so recht funktioniert hatte, lief Tabor aus sieben Yards Entfernung selbst los, durchbrach ein Tackle und erzielte die 6:0-Führung. Bis weit in den Schlussabschnitt waren dies die einzigen Zähler für die Ravens.
Dass die Münchner bis dahin noch in Schlagdistanz lagen, hatte mit den von 3500 Zuschauern im Sportpark Unterhaching lautstark angepeitschten Verteidigungsreihen zu tun. Für ein defensives Highlight sorgte beispielsweise Jonas Gürntke mit einem spektakulären und kuriosen Ballgewinn Ende des ersten Viertels. Bei seinem Tackle verlor der Ballträger der Raiders die Kontrolle über das Leder, das senkrecht nach oben flog – „und dann ist der Ball einfach in meine Hände gefallen. Ich habe mich klein gemacht, nicht mehr losgelassen und gewartet bis der Schiri abpfeift“, beschrieb der Münchner, der seit Jahr eins ein Rabe ist.
Auch Coach Kendral Ellison hatte ein Sonderlob für seine Defensive. „Es war eine tolle Teamarbeit. Wir wollten und mussten unbedingt den Lauf stoppen.“ Dabei hob er vor allem Hiswill Awuah hervor. Der 138-Kilo-Mann schloss in der Defensive Line die Lücken. „Das ist der große Name heute gewesen. Wenn er seinen Job macht, dann läuft alles“, war Ellison begeistert. Insgesamt konnten die Gäste aus Tirol nur sieben Punkte verbuchen.
Bis rund fünf Minuten vor dem Ende führten die Tiroler dennoch mit 7:6. Und das, obwohl Tabor mit seiner Offense langsam aber sicher in Fahrt gekommen war. Der Quarterback flog mit seinen Ravens mehrmals über das Feld. „Wir haben die ganze Zeit den Ball bewegt, aber in der Redzone (die letzten 20 Yards vor der gegnerischen Endzone, d. Red.) hatten wir große Probleme“, sagte Tabor. Zweimal scheiterten die Münchner unmittelbar vor der Endzone.
Schließlich brachte Runningback Justin Rodney die 3500 Fans zum Toben, als er einen 39-Yard-Lauf hinlegte und auf 12:7 stellte. Kurz darauf klappte es auch durch die Luft: Tabor platzierte den Ball perfekt in den Lauf von Malik Stanley zum dritten Ravens-Touchdown. „Der war nochmal sehr wichtig für mich“, sagte Tabor. „Ich bin richtig stolz auf unsere Offensive Line. Aber gerade am Anfang habe ich den Jungs noch nicht ganz vertraut, das ist während des Spiels deutlich besser geworden. Meiner Meinung nach gehören sie zu den besten der Liga.“
Damit die Flügel nicht wieder rosten, geht es schon am kommenden Sonntag (16.25 Uhr) mit dem nächsten Heimspiel gegen die Berlin Thunder weiter.
ALEXANDER VORMSTEIN